Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Das Interview

Eine moderne Sicht auf den Bergbau

Bochum Die Kohle hat Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengebracht. „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ verdeutlicht das. Michael Farrenkopf, Leiter des Montanhistorischen Dokumentationszentrums am Deutschen Bergbau-Museum Bochum, ist einer der drei Ausstellungsmacher und erklärt im Interview, auf was es ihm in der Ausstellung ankommt.

Eine moderne Sicht auf den Bergbau

Michael Farrenkopf ist einer der drei Ausstellungsmacher. Foto: Karaoglu

Mit dem Vertrag der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl haben Sie den Grundstein der heutigen EU in der Ausstellung. Wo erkennt man den europäischen Gedanken noch?

Das ist definitiv ein Highlight. Das Nationalarchiv Luxemburg gibt den Vertrag eigentlich nicht heraus, aber am Ende war unsere Ausstellung überzeugend genug, um eine Antwort darauf zu geben, warum die EU ihren Ursprung in der Regelung der Kohlefrage hat.

Auch zeigt sie die bergbauliche Solidarität am Beispiel des Grubenunglücks von Courrières von 1906. Da gab es keine große Diskussion, und deutsche Bergleute sind als Rettungskräfte nach Frankreich gefahren.

Trotz der Projekt-Initiative „Glückauf Zukunft!“ bekommt man den Eindruck, als sei die Schau ein Abschied. Liegt die Zukunft der Kohle tatsächlich im Museum?

Was endet, ist die produktive Steinkohleförderung in Europa. Das heißt nicht, dass wir Kohle nicht weiter nutzen. Steinkohle-Kraftwerke werden in Deutschland noch lange laufen – aber ohne europäische Kohle. Das ist dann eine Phase, die abgeschlossen ist.

Die Ausstellung soll nicht nostalgisch sein. Wir wollten eine moderne Perspektive: So führt die Schau bis in die Gegenwart, denn eigentlich ist unsere moderne Welt ohne Kohle nicht vorstellbar.

Die modernen Maschinen stehen aber im Außenbereich der Ausstellung.

Da waren wir aufgrund von Ausmaß und Gewicht der Maschinen logistisch begrenzt.

Unter den Exponaten sind auch internationale Leihgaben. Ist die Schau mit ähnlichen Projekten in Europa verknüpft?

Wir kooperieren natürlich mit Museen in der Region. Über die Kontakte unserer beiden Häuser haben wir aber auch in breitem Rahmen Objekte etwa aus französischen und englischen Museen eingeworben. So kommt die Zahl von 1200 Objekten zustande.

Ein übergeordnetes Projekt in Europa gibt es aber nicht.

Die Ausstellung ist in der Mischanlage der Kokerei Zollverein zu sehen. Wie erlebt man die Zeitreise der Kohle dadurch neu?

Die Besucher kommen an den Ort, an dem über Jahrzehnte Kohle zusammengeführt wurde. Sie folgen dem Weg der Kohle im Gebäude, werden im Aufzug hochbefördert und gehen dann über die drei Ebenen der Mischanlage runter. Die Architektur des Gebäudes ist in die Ausstellungsgestaltung eingeflossen.

Elemente wie die Kohlemenschen geben der Kohle in der Schau einen sozialen Charakter. Warum war Ihnen der gesellschaftliche Bezug so wichtig?

Der Steinkohlenbergbau ist ein besonderer Arbeitsplatz, nicht nur weil er gefährlich ist. Man musste zusammenarbeiten, um zu überleben, sich aufeinander verlassen. Solidarität und Integration sind Qualitäten des Bergbaus.

Meine Hoffnung ist, dass die Besucher erkennen, was Kohle bedeutet. Wir wollen zeigen, dass die Kohle unser Leben verändert hat. Und dass man mit Energiefragen global verantwortlich umgehen sollte.

Mischanlage des Unesco-Welterbe Zollverein Essen: „Das Zeitalter der Kohle“, 26.4. (Eröffnung 18 Uhr) bis 11.11., Arendahls Wiese, Mo-So 10-18 Uhr, Eintritt 10/7 Euro, Katalog: 24,95 Euro.

Zu „Kunst und Kohle“ gibt es von Mai bis September in 17 Museen der Region weitere große Ausstellungen.

Anzeige
Anzeige