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Einstürzende Traumwelten eines Handlungsreisenden

Schauspielhaus Bochum

Nicht sein Tod, sondern seine Träume stehen im Vordergrund der Inszenierung "Tod eines Handlungsreisenden" am Bochumer Schauspielhaus. Regisseurin Agnese Cornelio hat viele gute Ideen, dennoch bleibt ihr Stück ein wenig fad.

BOCHUM

von Von Max Florian Kühlem

, 06.11.2011
Einstürzende Traumwelten eines Handlungsreisenden

Willy (Bernd Rademacher, l.) streitet mit Sohn Biff (Dimitrij Schaad) in der Bochumer Miller-Inszenierung.

Mehr aus Verlegenheit hat die italienische Regisseurin Agnese Cornelio in Bochum "Tod eines Handlungsreisenden" inszeniert. Weil der Verlag einer Adaption von Viscontis "Rocco und seine Brüder" kurzerhand die Genehmigung entzog. Vielleicht, weil sie für den neuen Stoff nicht mit demselben Feuer zu brennen vermochte, geriet ihr Arthur Millers Entzauberung des amerikanischen Traums solide, aber ein wenig fad.Das Programmheft verspricht zu viel Zu viel verspricht das Programmheft: Dort wird eine Verbindung zwischen Millers Familie Loman und den aktuellen Occupy-Protestlern gezogen: "Sie sind die Kinder von Willy Loman." Bis auf ein kurzes Zitat aus Obamas berühmter "Yes, we can"-Rede bietet die Aufführung jedoch keinerlei Aktualisierung. Alle Figuren sind Menschen ihrer Zeit und denken nicht über sie hinaus. Die Bühne ist ein verblichenes 1950er-Jahre Fertighaus mit dem Charme eines Baucontainers. Für dieses Rumpfstück des amerikanischen Traums hat Willy Loman sein Leben verpfuscht. Mit Dollarzeichen in den Augen begrub er seine Sehnsucht nach ehrlicher Handwerksarbeit für ein Dasein als Vertreter. Und kam sich dabei selbst abhanden.Heiteres Schmunzeln über das Scheitern  Bernd Rademacher gibt diesem Willy, dem nichts geblieben ist als Todessehnsucht, eine lakonisch tragische, aber auch eine komische Seite. Dann erinnert er an Monty Pythons John Cleese, über dessen Scheitern man so wunderbar schmunzeln kann. Ebenbürtig ist ihm auf der Bühne nur Dimitrij Schaad als sein Sohn Biff. Packend gerät ihre Auseinandersetzung, wenn Biff in einem seltenen Moment der Stärke Willys Traumwelt zum Einstürzen bringen will.Anstrich des Surrealen Mehr als auf den Tod, den er als letzten Coup inszenieren will, zielt die Inszenierung auf die Träume des Handlungsreisenden ab: Willys Erinnerungen geben dem Geschehen einen Anstrich des Surrealen. Nicola Mastroberadino beobachtet es als Geist von Willys Bruder Ben und lacht sich immer wieder ins Fäustchen. Eine von vielen guten Ideen, die in der Summe trotzdem keine vollends runde Inszenierung ergeben.Termine: 11./24.11.; Karten: Tel. (02 34) 33 33 55 55.