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Elisabeth und Maria Stuart: Aus der Ferne so nah

BOCHUM Hätte Friedrich Schiller Elmar Goerdens "Maria Stuart" gesehen, er hätte sein Trauerspiel "Elisabeth" genannt. So großartig ist Imogen Kogge als Königin, so großartig fühlt sich ihre Elisabeth am Ende.

von Von Ronny von Wangenheim

, 20.01.2008
Elisabeth und Maria Stuart: Aus der Ferne so nah

Überzeugend: Imogen Kogge als Elisabeth und Martin Rentzsch als besonnener Talbot im Bochumer Schauspielhaus.

Wenn Maria Stuart hingerichtet ist, die Gefolgsleute verbannt oder geflohen, bleibt sie allein zurück. Und - genießt ihren Triumph und streckt der Welt die Zunge heraus.

Prachtvolle Kostüme

Bis zu diesem wunderbaren Schlussbild braucht der Zuschauer dreieinhalb Stunden voller Konzentration. Goerden zeigt ganz klassisch das Spiel um die Königinnen, die nicht nur politische Gründe zu Gegnerinnen machen. Da geht es nicht nur um Staatsräson und den freien Willen, da geht es auch um Neid auf Schönheit und Lebenslust. Eine freie Wahl haben beide Frauen letztlich nicht, sie sind Täter wie Opfer.

So fern diese beiden Frauen aus dem 16. Jahrhundert auch scheinen in ihren prächtigen Kostümen von Esther Walz, so sehr auch Goerden die Distanz betont (er lässt viel Raum zwischen der schwarzen, leeren Bühne und den Zuschauern), so sehr berührt doch ihr Schicksal. 

Elmar Goerden hat seine Inszenierung auf die beiden Königinnen konzentriert, duldet keine weitere Frauen auf der Bühne, weshalb die Amme wohl auch von Manfred Böll gespielt wird. Ulli Maier ist eine harte, herrische Maria Stuart, anfangs mit wirren, langen Haaren und Strickjacke. Doch man glaubt ihr nicht, dass sie in der Begegnung mit Elisabeth die moralische Oberhand behält. Das liegt vor allem an der unglaublichen Präsenz von Imogen Kogge, die die vielen Schattierungen der Elisabeth sichtbar macht, die mal mütterlich, mal intrigant, mal Verständnis suchend, mal purer Machtmensch ist.

Da können die Männer nicht mithalten, so gut sie auch spielen: Henning Hartmann als fanatisch in Maria verliebter Mortimer, Oliver Möller als skrupelloser Großschatzmeister oder Uwe Bohm, der übertrieben windend, lavierend, grinsend und grimassierend einen Kontrapunkt setzt.

Karten: Tel. (02 34) 33 33 55 55.