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Ausstellung

Emscherkunst steht vor dem Aus

DORTMUND Die Ausstellung Emscherkunst soll es als mehrmonatiges Kunst-Spektakel nicht mehr geben. Damit würde ein Format enden, das zuletzt 260.000 Besucher anzog.

Emscherkunst steht vor dem Aus

Schon zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 zog die Emscherkunst rund 200.000 Besucher an – vor allem Radler. Seitdem fand die riesige Freiluft-Ausstellung mit wachsendem Erfolg alle drei Jahre statt. Foto: dpa Foto: Wiebke.Karla

Uli Paetzel, der Vorstandsvorsitzende der Emschergenossenschaft, bestätigte die Information auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich glaube nicht, dass es eine weitere Edition geben wird. Das bedauere ich“, sagte er.

Was ist passiert? Die Urbanen Künste Ruhr (UKR) sind als Teil des Veranstalter-Trios, zu dem auch die Emschergenossenschaft und und der Regionalverband Ruhr (RVR) gehören, ausgeschert.

Leitungswechsel bei den Urbanen Künsten Ruhr

Katja Aßmann hatte die Urbanen Künste Ruhr jahrelang geleitet, wechselte dann aber nach Berlin. Seit 1. Januar 2018 führt Britta Peters – zuvor Kuratorin der Skulptur-Projekte Münster – die Nachfolgeorganisation der Kulturhauptstadt Ruhr. 2010.

Sie habe bei den Gesprächen mit der Findungskommission betont, die verschiedenen Aktivitäten der Urbanen Künste Ruhr bündeln zu wollen. Peters: „Deshalb möchte ich auch die Emscherkunst nicht als temporäres Format über zwei bis drei Monate im Sommer, sondern nachhaltig weiterführen.“

Skulpturenpfad soll entwickelt werden

Geplant sei die Entwicklung eines Skulpturenpfades entlang dem Fluss. Hier stehen schon viele Werke aus den bisherigen drei Ausgaben der Emscherkunst, denen sie nach und nach weitere Arbeiten hinzufügen will. Britta Peters sieht das als ein „Moment der Verstetigung“.

Die neue Lösung sei langfristig gedacht und entspräche dem fortgeschrittenen Emscherumbau. Sie verweist darauf, dass das französische Projekt „Estuaire“ (Mündung) an der Loire, das bei der Gründung der Emscherkunst Pate gestanden hat, sich mittlerweile ebenfalls von einer Kunstbiennale zu einer beliebten Fahrradroute entwickelt hat.

Das „Ruhr Ding“ kommt

Gleichzeitig will Peters das neue Format „Ruhr Ding“ etablieren, das im Frühjahr 2019 zum ersten Mal stattfinden und 15 bis 20 Projekte im ganzen Revier umfassen soll. „Die Projekte werden durch eine thematische Klammer zusammengehalten und die Emschergebiete einbezogen“, versprach Peters.

Diese Kunstwerke per Rad zu entdecken, werde jedoch wegen der großen Entfernungen nur auf Teilstrecken möglich sein. Aber die sich entwickelnde Emscher-Kulturlandschaft könne analog zum Ausbau des Fahrradweges ganzjährig immer wieder aufs Neue erlebt werden.

Beliebtes Kunstspektakel entfällt

Das alles bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass es das große Kunst-Spektakel Emscherkunst – gefeiert als „documenta des Reviers“ – voraussichtlich nicht mehr geben wird. 2010 hatte die erste Ausgabe 200.000 Besucher angelockt. Damals nutzten die Menschen die Gelegenheit, die Emscherinsel per Rad zu entdecken.

2013 stand dann die Emschermündung im Mittelpunkt, 2016 der Osten bis zur Quelle – mit besonders vielen Kunstwerken rund um den Dortmunder Phoenix-See. Kurator Florian Matzner holte Künstler von Weltgeltung wie Ai Weiwei ins Revier. Mit Tobias Rehbergers „Slinky“-Brücke oder dem „Zauberlehrling“ von Inges Idee entstanden spektakuläre Bauwerke.

RVR will eigene Ideen einbringen

Grundstock der Finanzierung waren stets 1,5 Millionen Euro – ein Teil der „Nachhaltigkeitsmittel“ der Kulturhauptstadt, die seit 2010 zur Hälfte vom Land NRW und vom Regionalverband Ruhr getragen werden. „Daher muss die RVR-Kulturpolitik auf jeden Fall einbezogen werden“, forderte Barbara Klask als Sprecherin des Verbandes. Der RVR will eigene Ideen einbringen.

Nach der letzten Edition hätten schon 2016/17 die Gespräche über eine Fortführung begonnen, erinnert sich Paetzel. Die Emschergenossenschaft – die sich wie bisher finanziell und personell engagieren wollte – habe sich auf eine vierte, fünfte und sechste Schau gefreut.

Ohne Absprachen

Dann hätten die Urbanen Künste eine neue Geschäftsführerin bekommen, die auch als Kuratorin der Emscherkunst fungieren sollte. „Das ist geschehen, ohne mit uns Absprachen zu treffen“, sagte Paetzel.

„Es ist dann ziemlich schnell klar geworden, dass es Veränderungen geben wird.“ Den Charakter einer renommierten Ausstellung hätte ein Emscherweg nicht mehr, so Paetzel.

Seit Monaten wird verhandelt

Die Aufgabe der etablierten Marke habe auch die Gremien der Emschergenossenschaft sehr bestürzt, zudem seien viele Fragen ungeklärt – etwa, wie ein Skulpturenpfad heißen soll, wer ihn vermarktet und was eigentlich passiert, wenn Kunstwerke verfallen und nicht mehr zu retten sind.

Die Verhandlungen ziehen sich seit Monaten hin. Paetzel: „Ich bin guter Hoffnung auf eine halbwegs anständige Lösung.“

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