Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ausstellung zeigt Irrtümer auf

Fake oder Fakt – das ist die Frage

Herne Eine höchst originelle Ausstellung im Archäologie-Museum Herne zeigt „Irrtümer und Fälschungen der Archäologie“. Das muss den Wissenschaftlern nicht peinlich sein. Oder etwa doch?

Fake oder Fakt – das ist die Frage

Leider ein Irrtum: Die Zeichnung des Fürstengrabes von Wardt-Lüttingen zeigte einen Schädel mit vermeintlicher „Krone“. Foto Bayerische Staatsbibliothek

Humor ist selten ein Kriterium für Ausstellungen. In diesem Fall aber schon. Von witzig bis tragikomisch, von haarsträubenden Fehlinterpretationen bis zu ausgefuchsten Fälschungen reichen die zehn Themen in Herne.

„In der Ausstellung mag das lustig sein“, seufzte am Mittwoch Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Nicht ganz so witzig fand es die Archäologin, als sie selbst 2003 betroffen war.

Der altsteinzeitliche Schädel von Paderborn-Sande sollte ein Prunkstück des Museums in Herne werden, das sie damals leitete. Er war aber statt 26.000 Jahre nur 250 Jahre alt. Die Wissenschaftlerin war Opfer eines Betruges geworden. Rüschoff-Parzinger: „Ich war richtig niedergeschlagen.“

Fake oder Fakt – das ist die Frage

Dies ist das wahre Exponat: Ein Holzeimer mit Henkel. Foto LVR-Landesmuseum Bonn/Vogel

Andere Skandale sind schon deshalb nicht mehr peinlich, weil sie lange her sind. Am 1. April (!) 1896 kaufte der Louvre für viel Geld die „Tiara des Saitaphernes“, eine auch heute noch wunderschöne, angeblich antike Kopfbedeckung aus 443 Gramm Gold.

Nur: Sie war gefälscht. Die Motive waren aus dem „Bilder-Atlas zur Weltgeschichte“ geklaut. „Peinlich war es damals. Inzwischen geht der Louvre mit dem Thema sehr transparent um“, sagte Projektleiter Tobias Esch, der mit seinem Team 200 teils schräge Exponate aus aller Welt herangeschafft hat. Darunter ist auch eine Fälschung, die 1980 ganz Deutschland bewegte – eines der vermeintlichen Hitler-Tagebücher aus der Feder Konrad Kujaus.

Die Krone war keine Krone, sondern ein Henkel eines Eimers

In die Abteilung Irrtümer gehören dagegen die Einhörner und die „Zeichnung eines Grabes“ (1839) aus Wardt-Lüttingen bei Xanten, in der ein Fürst oder Heerführer eine „Krone mit beweglichem Bügel“ trägt. Heute wissen wir: Es war der Henkel eines Eimers.

Museumsleiter Josef Mühlenbrock zitierte dazu einen Spruch aus dem Archäologie-Studium: „Was man nicht erklären kann, sieht man zuerst als kultisch an.“

„Motel der Mysterien“

Eine sehr originelle Einführung ins Thema liefert in Herne übrigens der US-Grafiker David Macaulay. Gleich im Eingang hat das Team sein „Motel der Mysterien“ aus dem gleichnamigen Comic-Buch nachgebaut.

Es zeigt den Archäologen Howard Carson im Jahr 4022 bei der Ausgrabung eines amerikanischen Motels, bei der er ungeheuren Fehlinterpretationen aufsitzt – etwa der, dass eine Toilette eine Heilige Urne war und daneben Blätter des Heiligen Pergaments hingen.

Inspiriert von König Tutanchamun

Er habe sich von der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun inspirieren lassen, schmunzelte der gebürtige Brite, der tatsächlich Tutanchamuns Entdecker Howard Carter ein bisschen ähnlich sieht. Eine Toilette habe er als kultisches Objekt ausgesucht, weil das so schön lächerlich sei.

Den US-Präsidenten Donald Trump nennt Macaulay übrigens den „Master of Fake News“. „Trump hat nicht die Würde oder Intelligenz, die ein Präsident haben sollte“, kritisierte er.

Trumo ist der König der gefälschten Nachrichten

Apropos „Fake News“: In Zeiten von „Alternativen Fakten“ ist die 800.000 Euro teure Ausstellung, die für diese Summe auch noch nach Hildesheim wandert, mehr als nur amüsant.

Sie führt uns auch vor Augen, wie wichtig Genauigkeit und Überprüfbarkeit von Fakten sind. Sie mahnt uns, Vorsicht walten zu lassen und immer wieder nach der Wahrheit zu suchen. Und das gilt heutzutage nicht nur für Wissenschaftler, sondern für uns alle.

LWL-Museum für Archäologie Herne: „Irrtümer und Fälschungen der Archäologie“, Europaplatz 1, bis 9.9.2018, Di/Mi/Fr 9-17, Do 9-19 Uhr, Sa/So/Feiertage 11-18 Uhr, Eintritt 5 Euro (mit Dauerausstellung 8 Euro), ermäßigt 3/4,50 Euro, Katalog im Museum 24,95 Euro (im Buchhandel 29,90 Euro) Comic-Buch „Motel der Mysterien“ 19,90 Euro.

Anzeige
Anzeige