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Freiheit ist nicht von Pappe

BOCHUM Stumm fegt Häuptling Bromden in der Irrenanstalt den Boden. Nichts scheint ihn zu erreichen, nicht das Leben in der Irrenanstalt, nicht McMurphys Lebensfreude. Aber vielleicht passiert alles nur in seinem Kopf: "Einer flog über das Kuckucksnest".

von Von Ronny von Wangenheim

, 02.03.2008
Freiheit ist nicht von Pappe

Im Pappmobil geht´s zum Angelausflug.

So zeigt es Jorinde Dröse in ihrer berührenden Inszenierung im Bochumer Schauspielhaus. Die Regisseurin will keine Psychiatriekritik, keine Neudeutung wie jüngst in Oberhausen, wo ein modernes Flüchtlingsdrama entstand. Sie sieht Menschen, die klein gemacht werden, sieht eine Geschichte über Mutlosigkeit und Mutgewinnen.

Der Häuptling ist traurig und sanft

Und sie richtet ihren Blick auf den schizophrenen Häuptling Bromden, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Der, so deutet die letzte Szene an, in seinem Kopf McMurphy erschaffen hat, um wieder zur einstigen inneren Größe zu gelangen. Cornelius Schwalm spielt ihn als traurigen, sanften Menschen, der nur in der Geschlossenheit einer kleinen Kammer zu seiner Sprache findet.

Alexander Maria Schmidt strahlt dagegen in Jack Nicholsons Paraderolle als McMurphy vor Energie. Wie ein Sturm bringt er das Leben der Insassen aus dem Tritt. Die hatten sich in ihrem Hasendasein schon eingerichtet. Die Demütigungen von Schwester Ratched (kalt manipulierend: Hanna Scheibe) gehören genauso dazu wie die Videoüberwachungen zur notwendigen Sicherheit. Beeindruckend zeigen Janko Kahle, Henning Hartmann, Leopold Hornung, Sascha Nathan und Benno Ifland ihre Macken, die Ticks und ihre Entwicklung - hin zur Freiheit oder in den Tod.

Nichts ist real auf dieser Bühne

Wie wenig real die Welt der Irrenanstalt ist, beweist das Bühnenbild von Julia Scholz. Alles ist aus Pappe, nicht nur die Wände, sondern auch Besen und Staubsauger, später das Auto, mit dem es zum Angeln geht.

Dieser Ausflug wird wie andere Szenen auch von der Hinterbühne nach vorne per Video übertragen. Dabei agiert das Ensemble mit viel Witz und Übertreibung, der Film verstärkt den Effekt und sorgt für komische Momente, an denen die Inszenierung neben all den bedrückenden Schicksalen generell nicht arm ist. Einigen mag es bei der Premiere zu heiter gewesen sein. In den Jubel für die Schauspieler mischten sich vereinzelte Buhs für die Regisseurin.