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Geplante Akademie in Dortmund soll digitale Zauberei fürs Theater lehren

Finanzierung steht noch nicht

Der Dortmunder Schauspielchef Kay Voges hat eine Vision. Er will für vier Millionen Euro eine „Akademie für Digitalität“ gründen, in der das Theater der Zukunft gelehrt wird. Und das ist spektakulär.

DORTMUND

, 21.02.2018
Geplante Akademie in Dortmund soll digitale Zauberei fürs Theater lehren

So könnte die Dortmunder „Akademie für Digitalität und Theater“ einmal aussehen. Die Zeichnung zeigt den dritten Bauabschnitt. Links im Bild die ehemalige Grundschule im Stadtteil Kley .Animation: Architektur.dlx

In Las Vegas hat Kay Voges gesehen, was möglich ist. „Da flogen Menschen ohne Gurte durch die Luft, gehalten nur von Elektromagnetismus“, berichtet er. „Das war wie Zauberei.“ Und es gab einen Tänzer, der durch seinen Anzug die ganze Show steuerte – den Rhythmus mit Hilfe der stampfenden Füße, das Licht durch seine Arme. Die Nähe zum Silicon Valley beflügelt die Unterhaltungsindustrie im Westen der USA. Die klugen Köpfe der IT-Branche setzen in der benachbarten Showmetropole Las Vegas um, was heute technisch schon machbar ist.

40 Kursteilnehmer könnten hier gleichzeitig lernen

Das Theater der Zukunft will der Dortmunder Schauspielintendant Kay Voges (45) auch im Ruhrgebiet erforschen und unterrichten – in der geplanten „Akademie für Digitalität und Theater“, die schon im Frühsommer an den Start gehen soll. Für 3,5 bis 4 Millionen Euro könnte in einer ehemaligen Schule in Dortmund-Kley ein Zentrum entstehen, in dem rund 40 Kursteilnehmer gleichzeitig plus jeweils neun Halbjahres-Stipendiaten (also 18 pro Jahr) die brandneuen technischen Möglichkeiten des Theaters erlernen könnten.

Geplante Akademie in Dortmund soll digitale Zauberei fürs Theater lehren

Kay Voges in einem der Klassenzimmer, das für die Tagung provisorisch instandgesetzt wurde. Foto: Schaper

Ortstermin in der zukünftigen Akademie nahe dem Indupark. Die Grundschule am Kleyer Weg 90 stammt aus dem Jahr 1920, überall hängen grüne Schultafeln. Hübsch ist das (noch) nicht, der Pavillon von 1970 mit seinen Waschbetonplatten ist sogar richtig hässlich. Doch zusammen haben beide Gebäude Potenzial – nämlich 1300 Quadratmeter Raum auf einem Grundstück von 3000 Quadratmetern. Die geplante Akademie benötigt nämlich unter anderem ein Digitallabor, ein Filmstudio, eine Lichtwerkstatt, einen Do-It-Yourself-Raum und ein „Motion Capture Studio“, bei dem ein Computer die Bewegungen eines Schauspielers erfasst und dann zum Beispiel auf die Figur Gollum im „Herrn der Ringe“ überträgt.

Geplante Akademie in Dortmund soll digitale Zauberei fürs Theater lehren

In den Studios sollen erstaunliche Effekte entstehen. Animation: Architektur.dlx

Denn das Theater in 20 Jahren wird, nun ja, futuristisch. „Theater wird immer noch ein Live-Medium sein“, prophezeit Voges. „Aber Hologramme und Schauspieler werden miteinander agieren.“ „Mixed Reality“ (gemischte Realität) heißt das. Die Firma Microsoft will demnächst die HoloLens vorstellen – eine Brille, mit der solche Aufführungen möglich sein werden. Voges: „Wir müssen Sehgewohnheiten und Erzählstrukturen unserer Gegenwart anpassen, das Theater muss fit für die Zukunft werden.“ Dabei ist ihm wichtig, dass er keineswegs den Schauspieler abschaffen will, und er führt auch keinen Feldzug gegen die Guckkastenbühne: „Auch die wird die Menschen noch faszinieren.“

Dortmund gilt als Vorreiter des digitalen Theaters

Schon jetzt gelten Voges und sein Team als Vorreiter des digitalen Theaters, bekommen zahllose Anfragen von anderen Bühnen. „Es gibt einen wahnsinnigen Fachkräftemangel“, weiß Voges. Viele Theater – 40.000 Bühnenmitarbeiter gibt es in Deutschland – wollen ihre Leute zur Weiterbildung schicken. Auch private Firmen seien interessiert. Über die Zusammenarbeit mit der Folkwang-Universität in Essen und der Fachhochschule Dortmund wird verhandelt.

Geplante Akademie in Dortmund soll digitale Zauberei fürs Theater lehren

Der zweite Bauabschnitt sieht vor, dass der Raum zwischen den Treppenhäusern mit Glas geschlossen wird. So entsteht ein schickes Foyer. Animation: Architektur.dlx

Voges und der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann putzen derzeit Klinken beim Land NRW, der Bezirksregierung und Stiftungen, um die Millionen für den ersten Bauabschnitt zu bekommen. Der umfasst eine Renovierung der Schule und den Einbau der Technik. In einem zweiten Bauabschnitt könnte nach Plänen des Büros Architektur.dlx der Bereich zwischen den Treppenhäusern mit Glas geschlossen werden, damit ein Foyer entsteht. Dritte und vierte Bauphase würden ein Carré mit Innenhof entstehen lassen.

Kulturministerin Pfeiffer-Poensgen wird erwartet

Was technisch möglich ist, präsentiert das Schauspiel Dortmund schon ab Freitag bei der Tagung „Enjoy Complexity“ für 200 geladene Gäste. Darunter wird auch die neue NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sein. Schon am Mittwoch wurden in den Klassenzimmern überall Beamer aufgebaut und Virtual-Reality-Brillen angeschlossen – willkommen im Wunderland der digitalen Theaterzauberei.

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