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Gurskys große gelbe Wand

Ausstellung "Ruhrblicke"

ESSEN/DORTMUND Andreas Gursky macht die teuersten Fotos der Welt. 3,3 Millionen Dollar kostet ein Abzug seines Motivs "99 Cent". Jetzt hat sich der teuerste Fotograf die größte frei stehende Stehplatztribüne Europas vorgenommen - die berühmte "Gelbe Wand" des Westfalenstadions.

von Von Bettina Jäger

, 23.04.2010
Gurskys große gelbe Wand

"Dortmund" hat Andreas Gursky sein Bild der gelben Wand genannt.

Gurskys gigantische Fotomontage - 3,07 mal 2,23 Meter groß - ist ein Höhepunkt der Ausstellung "Ruhrblicke", die ab heute im Sanaa-Gebäude auf Zeche Zollverein in Essen zu sehen ist. Elf herausragende Fotografen zeigen neue Werke zum Thema Ruhrgebiet. Und das im extravaganten Bauwerk des japanischen Architektenduos Sanaa, das gerade selbst mit dem "Pritzker" den weltweit wichtigsten Architekturpreis gewonnen hat. Kein Wunder, dass 300 Führungen schon fest gebucht sind.Hans-Peter Feldmann fotografierte die Bürgermeister

Die Sparkassen-Finanzgruppe gab das Geld, Kurator Thomas Weski bat die Fotografen um ihr Bild vom Revier. "Absagen habe ich keine bekommen", berichtet er. Stattdessen feiert Candida Höfer die Jahrhunderthalle Bochum und die Stadthalle Mülheim als riesige, wunderschöne Säle. Joachim Brohm hatte schon in den 80er Jahren die verlassene Autorennbahn auf dem Gelände der Zeche Alma in Gelsenkirchen-Ückendorf fotografiert. Jetzt schlug er sich wieder bis dahin durch. "Das ist heute ein Urwald, richtig romantisch", erzählt er. "Zonen der Unbestimmtheit" nennt er solche Gebiete. "Das ist doch charakteristisch fürs Ruhrgebiet." Genau wie die Bürgermeister, die sich vor der Linse von Hans-Peter Feldmann selbst inszenierten - irgendwo zwischen staatstragend und nicht wirklich locker. Imposante Technik hat Thomas Struth fotografiert. Für solche und andere Großformate waren die Treppenhäuser des Sanaa-Gebäudes allerdings zu eng - ein Fenster musste ausgebaut werden.Gursky zeigt "kein Dokument, sondern eine Behauptung"

Groß geht´s auch bei Gursky zu, dessen gelbe Wand keine Einzelaufnahme ist, sondern eine Montage aus vielen Fotos. "Man glaubt, es ist ein Dokument, aber es ist eine Behauptung. Die idealtypische Vorstellung einer Fankurve", beschreibt es Kurator Weski. Gursky (55) selbst ist fasziniert von unserer Gegend: "Obwohl sich das Ruhrgebiet dynamisch im ständigen Wandel befinde, ist es doch gleichzeitig immer auch identitätsstiftend."

Sanaa-Gebäude auf Zollverein: "Ruhrblicke", 24.4.-24.10., tgl. 10-19 Uhr, Katalog 39,80 Euro.