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Theater Oberhausen

Häftling Georg Heisler entkommt

Oberhausen Theater Oberhausen bietet mehr als nur „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers.

Häftling Georg Heisler entkommt

In seinem Leid allein: Clemens Dönicke (vorn) in der Oberhausener Inszenierung. Foto: Palmer

In der Form eines Hakenkreuzes montierte Stege bilden die Spielfläche. Dahinter ragt ein christliches Kreuz auf. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich die Inszenierung von Anna Seghers‘ Roman „Das siebte Kreuz“ am Theater Oberhausen bewegt.

Lars-Ole Walburg, Intendant des Schauspiels Hannover, hat das Stück „aus Hitlerdeutschland“ dort am Freitag auf die Bühne gebracht. 430 Seiten Buch komprimiert zu einem pausenlosen, knapp zweistündigen Theaterabend.

Leidensgeschichtet

Sieben Häftlinge sind aus einem hessischen Konzentrationslager geflohen. Innerhalb von sieben Tagen sollen sie wieder eingefangen sein. Einer aber, Georg Heisler, kommt durch. Um seine Leidens- und Überlebensgeschichte geht es. Walberg lässt den Heisler abwechselnd von allen sechs Schauspielern spielen, auch den Frauen.

Zusätzlich bricht er das Geflecht der beklemmend-bedrohlichen Kurzszenen auf durch Musik (expressiv-brillant: Martin Engelbach an Pauke und Trommel), Gesang und Tanz.

„Kritikerpapst“ Marcel Reich-Ranicki, selbst Überlebender des NS-Terrors und glühender Fürsprecher für Anna Seghers und ihren Roman, meldet sich, karikierend imitiert von Daniel Rothaug, zu Wort. Joseph Goebbels schwärmt von Hollywood-Filmen, Bertolt Brecht trägt sein Gedicht „An die Nachgeborenen“ vor. Zuletzt ist die Autorin selbst zu hören.

Revuehafter Zugang

Dieser fast schon revuehafte Zugang hellt das düstere Stück auf, macht es kurzweiliger und leichter konsumierbar. Ist die Buchvorlage durchgängig eindringlich und berührend, trifft das hier nur für einzelne Szenen wie die zwischen Georgs Jugendfreunden Liesel und Paul Röder, gespielt von Emilia Reichenbach und Burak Hoffmann, zu.

Auf jeden Fall jedoch ist in Oberhausen eine Produktion zu erleben, die nicht kalt lässt und vor allem Jugendlichen eine gute Grundlage bietet, sich mit humanitärem Handeln auseinanderzusetzen – nicht nur zur Nazizeit.

Termine: 16.3., 15./18.4., 16. 5.; Karten: Tel. (0208) 8578184.

www.theater-oberhausen.de

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