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Herr und Knecht lassen Zwerchfell reißen

BOCHUM Man kann diesen "Puntila" von seinem Ende her verstehen: Maja Beckmann jauchzt da beim langen Schlussapplaus fröhlich und springt vor Freude mehrmals in die Luft. Auf ihr unglaubliches komisches Talent hat Anne Lenks Inszenierung am Schauspielhaus Bochum gebaut.

von Von Max Florian Kühlem

, 02.04.2010
Herr und Knecht lassen Zwerchfell reißen

Wer darf herrschen, wer muss dienen? Knecht Matti (Christoph Jöde) trägt Herrn Puntila (Benno Ifland).

Über weite Strecken verkommt der Protagonist aus Bertolt Brechts Finnland-Stück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" zur Nebenfigur, wenn Maja Beckmann als seine Tochter Eva ihr Spiel mit der Liebe treibt. Den einfältigen Attaché will sie nicht heiraten, dafür macht sie sich wunderbar ungelenk an Vaters Chauffeur Matti heran. Im Zusammenspiel mit Christoph Jöde kommt es zu Zwerchfell zerreißenden Slapstick-Szenen, bei denen die Doppelsauna-Bühne (Marc Bausback) demontiert und Jöde zur menschlichen Säge wird.Für alle, die im Theater gerne lachen

Man kann diese Inszenierung also jedem ans Herz legen, der im Theater gern lacht. Dass sie jedoch nicht reine Komödie ist und im Brechtschen Sinne zum Nachdenken über gesellschaftliche Verhältnisse anregt, ist ihre Kunst. Für den marxistischen Autor ist nicht nur der Proletarier, sondern auch der Kapitalist ein von seiner (menschlichen) Natur entfremdetes Wesen.

Vereint als Kreaturen der ungerechten gesellschaftlichen Verhältnisse tragen Herr Puntila und Knecht Matti in Bochum fast identische Kostüme. Während Matti sich mit Stolz und einer gewissen Hochnäsigkeit in sein Arbeiterleben fügt, ist es Puntila, der die Ungerechtigkeit fühlt. Allerdings nur, wenn er betrunken ist. "Sag, dass keine Kluft zwischen uns ist", bettelt er seinen Knecht dann an. In einer schönen Traumszene wird er zum Sozialromantiker und geht auf Brautwerbung bei Arbeiterinnen und Hofmägden. Benno Iflands Puntila ist seine Zerrissenheit sogar noch anzusehen, wenn er seine "schrecklichen Anfälle von Nüchternheit" bekommt und in die Rolle des knallhart denkenden Hofbesitzers verfällt.

Glänzend aufgelegtes Ensemble Bis in die Nebenrollen ist in diesem Puntila ein glänzend aufgelegtes Ensemble zu bewundern: Da gefällt etwa Cornelius Schwalm als Hommage an Finnlands großen verstorbenen Schauspieler Matti Pellonpää. Und selbst als bei der Premiere am Ende der Bühnenumbau hakt, deutet man das gern wohlwollend als Brechtschen Verfremdungseffekt.

Karten unter Tel. (0234) 33 33 55 55.

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