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Immendorffs Zeichnungen - ein Lebenswerk

DÜSSELDORF Am Eingang der Graphischen Sammlung begrüßt der Künstler selbst die Besucher – in einem Film von Werner Raeune. „Jörg Immendorff. Zeichnungen.“ ist nicht nur eine Ausstellung. Vielmehr ist sie eine Hommage an sein gesamtes Lebenswerk.

Das Museum Kunst Palast in Düsseldorf dokumentiert zum ersten Mal das gesamte zeichnerische Schaffen Immendorffs. Beginnend mit seinen frühen Arbeiten aus den 60ern bis 2003 hat Kurator Christoph Danelzik-Brüggemann eine umfassende Auswahl getroffen.

Auf Papier spontan

2003 war das Jahr, in dem Jörg Immendorff (Foto) das Zeichnen körperlich gerade noch möglich war. Allen Werken gemein ist, dass Immendorff Ideen und Motive, die auch in seinen Skulpturen und Gemälden auftauchen, auf Papier viel freier und spontaner gestaltete.

Der nach langer Nervenkrankheit im Mai verstorbene Künstler hatte die Ausstellung noch selbst in die Wege geleitet. Er wollte das ganze Spektrum seiner Arbeiten zeigen – auch die Kritzeleien mit Kugelschreiber odet Bleistift: „Für einen Künstler ist das nicht selbstverständlich“, meint Danelzik-Brüggemann.

Kritisch gegenüber Ausstellungsbetrieb

In Immendorffs maoistischer Phase Anfang der 70er Jahre, entstanden zum Beispiel kritische Zeichnungen zum Ausstellungsbetrieb. In „Brief an einen Kunsthallendirektor“ zeichnet Immendorff sich selbst, wie er nachdenklich am Tisch sitzt und einen zugespitzt höflichen Brief verfasst. Wie in vielen seiner Arbeiten schreibt er den Text in das Bild hinein, wundert sich über die Ablehnung: es sei „kein Platz für Agitation und Eigenwerbung in der Ausstellung ‚engagierte Kunst‘“.

1976 wandte er sich von der Parteikunst ab, trat in die Café-Deutschland-Phase ein. Fiktive politische und kulturelle Besucher stehen für den Ost-West-Konflikt – 39 kleinformatige Gouachen aus den Jahren ‘78 und ‘79 nehmen eng nebeneinander platziert eine ganze Ausstellungswand ein.

Die ganze Wucht an Arbeiten

„BRD Grenze“ prangt zum Beispiel auf einem grünen Bild mit Bundesadler, „DDR Grenze“ auf einem braunen mit Wachturm darüber. Auf dem nächsten versteckt sich der Bundesadler hinter einer Zeitung: ein „Spitzel“. „Wir wollten neben den einzelnen Arbeiten auch die ganze Wucht zu spüren geben, die sie zusammen ergeben“, erklärt Danelzik-Brüggemann, „auch eine Idee Immendorffs.“ 

Museum Kunst Palast: „Jörg Immendorff. Zeichnungen.“, Ehrenhof 4-5, Düsseldorf, 1.9.-18.11., di-so 11-18 Uhr, Katalog erscheint Ende Oktober: 45 Euro.

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