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Jeder kann seinen guten Namen geben

BOCHUM Tausende von Namen sollen im Jahr 2010 auf dem Platz vor der Bochumer Christuskirche stehen. Wer dabei sein möchte, muss zuvor ein "Europäisches Versprechen" abgeben.

Jeder kann seinen guten Namen geben

Künstler Jochen Gerz vor der Bochumer Christuskirche.

Sich vor ein Kunstwerk stellen, es anschauen, weitergehen - nein, das liegt Jochen Gerz nicht. Der Künstler will keine Konsumenten, er macht Menschen zu Autoren. Das neueste Beispiel: der Europäische Platz des Versprechens in Bochum.

Noch läuft man achtlos über den schmucklosen Platz vor der Christuskirche. Bis 2010 werden hier tausende von Namen zu lesen sein. Jeder steht für einen Menschen und sein Versprechen an Europa. Versprechen, die unsichtbar bleiben, über die dann jeder Passant rätseln und diskutieren darf, somit selbst zum Akteur wird. "Kunst soll nicht Meinungen zementieren, sondern die Veränderungen von Meinungen verfolgen und initiieren", sagt Gerz.

Ohne die "Kraft der Leute" geht es nicht

Ihm ist wichtig, dass es ohne "die Kraft der Leute" nicht geht. Gerz: "Hier wird nichts geliefert. Hier entsteht etwas über vier Jahre." Seine Arbeit versteht er damit auch als Erziehung zur Demokratie. "Wir sind zu oft Bedenkenträger und passiv", hat der Künstler beobachtet, der mit vielen seiner Arbeiten im öffentlichen Raum Aufsehen erregt hat.

Das Ruhrgebiet dankt für den Frieden

Für Gerz ist sein Projekt ein Dank des Ruhrgebiets als Kulturhauptstadt Europas, darüber hinaus ganz Deutschlands an Europa, ein Dank für den Frieden. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war die Helden-Gedenkhalle von 1931 im Turm, der 1945 allein von der Christuskirche stehen blieb. Hier wurden nicht nur die Gefallenen des Ersten Weltkriegs geehrt. In einem Mosaik, für die Ewigkeit gemacht, sind die Namen der 28 "Feindstaaten" Deutschlands festgehalten. Gerz setzt dagegen Versprechen, promise, promesse, promessa, lofte, lubadus, promisiune, s.ub, weg.da, belofte, obietnica - so zeigt eine Liste in Gerz' Bochumer Büro das Wort in 23 Landessprachen der Europäischen Union.

Jeder ist gefordert

Jeder, längst nicht nur die Bochumer, ist aufgefordert, über Europa nachzudenken, ein Versprechen zu geben, mit seinem Namen Teil des Platzes des Europäischen Versprechens zu werden. "Ich hoffe, dass der Platz zu klein wird", sagt Gerz.

 Der Platz des Europäischen Versprechens entsteht im Auftrag der Stadt Bochum als Beitrag zur Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Ansprechpartner finden sich unter Tel. (0234) 506 27 94, Informationen und eine Beitragserklärung: www.pev2010.eu

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