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Josephsohn haucht dem „weichen Stein“ Leben ein

Neue Sonderausstellung

Im Museum Folkwang gibt es die erste große Werkschau des Bildhauers in Deutschland. Wer Hans Josephsohns Werke verstehen möchte, muss genauer hinsehen.

Essen

, 29.03.2018
Josephsohn haucht dem „weichen Stein“ Leben ein

Architekt Lukas Furrer half dabei, die Ausstellungsräume an die Wünsche des verstorbenen Künstlers anzupassen. Furrer unterstützte Josephsohn in seinem Atelier in der Schweiz. Foto Freddy Schneider

Wer die neue Sonderausstellung „Existenzielle Plastik“ im Essener Museum Folkwang besucht, muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass es eindeutige Skulpturen zu sehen gibt. Für den einen mögen die mehr als 70 Plastiken und Reliefs des Bildhauers Hans Josephsohn aussehen wie Vulkangestein oder die Rinde eines Baumes. Man muss genauer hinsehen, um die Werke des 2012 verstorbenen Künstlers zu verstehen.

„Sehen Sie hier? Das ist die Nase, das ist das Kinn“, erklärt Lukas Furrer mit schweizerischem Akzent und deutet auf eine Wölbung einer Halbbüste. Unwissenden wäre dieser Fleck vermutlich nicht aufgefallen. „Man braucht länger, um es zu verstehen und zu sehen“, sagt der Architekt und lächelt. Furrer hat mit dem Künstler in seinem Atelier zusammengearbeitet und weiß, worauf es dem Künstler bei dieser Ausstellung angekommen wäre. Josephsohn sei das Licht wichtig gewesen, so Furrer.

Josephsohn haucht dem „weichen Stein“ Leben ein

Was ist das? Ist es ein Fels? Ein Vulkan? Oder doch ein Kunstwerk von Hans Josephsohn? Foto Freddy Schneider

Darum hat das Museum die Decke der Ausstellungsräume angepasst: Gipsdecken, die nun die milchigen Fenster in den Decken ersetzen, sind extra eingezogen worden, um den Büsten den „räumlichen Halt“ zu geben, den sie brauchen.

Das Kesselhaus Josephsohn in St. Gallen verwaltet den Nachlass des Bildhauers. Es stellte die Skulpturen für die Ausstellung zur Verfügung, die sich über 1400 Quadratmeter erstreckt. Die Plastiken stammen aus den 50er- bis 90er-Jahren. Zeichnungen ergänzen die Schau.

Oftmals stand seine Frau Modell

Thematisch hat sich Josephsohn mit der menschlichen Figur beschäftigt. Der Bezug zum Gegenüber bleibt dabei erhalten. Meist arbeitete er mit Personen zusammen, die er gut kannte und die ihm Modell standen. Seine Partnerin zum Beispiel.

Die Frage, was Abstraktion ist und was Figuration, stellte sich Josephsohn nie. „Die Objekte zeigen vielmehr mehrere Erscheinungsformen der Personen, die Modell standen“, sagt Hans-Jürgen Lechtreck, geschäftsführender Direktor des Museums.

Josephsohn haucht dem „weichen Stein“ Leben ein

Aus der richtigen Perspektive sieht der Besucher, dass der Bildhauer eine liegende Frau modelliert hat. Foto Freddy Schneider

Technisch arbeitete der Bildhauer viel mit Gips, dem „weichen Stein“. Schicht für Schicht trug er das Material auf seine Skulpturen auf. Was ihm nicht gefiel, schlug Josephsohn einfach weg. Hatte er der Figur nichts hinzuzufügen, goss er sie in der Kunstgießerei Felix Lehner. Aus Gips wurde Messing. „Er hat erst bei dem Guss realisiert, ob er mit seinem Werk zufrieden ist“, sagt Lechtreck.

Museum Folkwang: „Existenzielle Plastiken“, 30. 3.-24. 6.2018, Museumsplatz 1, Essen, Di/Mi 10-18 Uhr, Do/Fr 10-20 Uhr, Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr, Mo geschlossen, Eintritt für die Ausstellung: 8/ermäßigt 5 Euro, Katalog 25 Euro. Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Museums.
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