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Juli Zeh thematisiert Amoklauf

Düsseldorfer Schauspielhaus

DÜSSELDORF Für den 16-jährigen Jens ist die Welt nur Karaoke, denn es gibt nichts, was er als Erster tun könnte. So bleibt nur die Möglichkeit, es „krasser“ zu tun – zum Beispiel bei einem Amoklauf in der Schule.

von Von Britta Helmbold

, 11.04.2010
Juli Zeh thematisiert Amoklauf

Die Schriftstellerin Juli Zeh brachte »Good Morning, Boys and Girls« auf die Düsseldorfer Bühne.

Dieses Thema verhandelt die erfolgreiche Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh in ihrer Auftragsarbeit „Good Morning, Boys and Girls“ für das Düsseldorfer Schauspielhaus. Mit Kartons ist die Bühne (Robert Schweer) im kleinen Haus übersät und die Protagonisten – alle in braun-beigen Tönen gekleidet (Kostüme: Esther Geremus) – werkeln mit Tesa, Filzstift und Schere vor sich hin. Der Vater des Amokläufers murmelt kaum verständlich Daten von anderen Massakern – einen zähen Anfang hat Stephan Rottkamp inszeniert. Doch im Laufe der 90-minütigen Uraufführung am Samstag gelingt es ihm mit seinem Ensemble bedrohlich bis bedrückende Stimmungen in Szene zu setzen, eine dramaturgische Spannung aufzubauen.

Nicht chronologisch, sondern in Zeitsprüngen wird von der Planung des Amoklaufs samt Medienresonanz erzählt. Während Wolfram Rupperti als Vater vielleicht zu autoritär gegenüber seinem Sohn auftritt, hätten Christiane Roßbachs verständnisvolle Mutter und Claudia Hübbeckers kumpelhafte Lehrerin aufmerksamer sein können, doch verhindert hätte es die Tat wohl kaum. Neben Elternhaus und Schule nimmt in Jens´ Leben ein Computer-Baller-Spiel eine tragende Rolle ein, doch auch dies liefert keine Erklärung.

Den Jugendjargon hat Zeh gekonnt in knappe Dialoge gefasst: Lisa Arnold als Freundin Susanne nimmt man den Teenager noch ab, aber Denis Geyersbach wirkt nicht wie ein 16-Jähriger, sondern erinnert eher an einen Student. Anerkennender Applaus für einen beklemmenden Theaterabend ohne Schuldzuweisungen. 

  • Termine: 17., 18., 26.4.; Karten: Tel. (0211) 36 9 11.