Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kein Platz für provokante Skulpturen?

MÜNSTER Die Skulptur-Projekte 07 in Münster waren ein internationaler Publikumserfolg mit einer halben Million Zuschauer - und drohen nun doch mit einem provinziellen Beigeschmack auszuklingen. Grund ist ein heftiger Streit der Parteien über den Ankauf zweier kritischer Skulpturen.

von Von Manuel Jennen

, 08.11.2007
Kein Platz für provokante Skulpturen?

Schon abtransportiert: Die umstrittene Skulptur von Paul Wulf ist bereits eingelagert worden.

Die Stadt hatte eine Kunstkommission aus Experten und Politikern eingesetzt: Sie beriet, welche der 34 Skulpturen langfristig im öffentlichen Raum in Münster bleiben sollen. Als die Liste der neun ausgewählten Arbeiten vom Kulturausschuss bestätigt werden sollte, strich die Rathauskoalition aus CDU und FDP zwei besonders provokante Werke.

Protest gegen Zwangssterilisierung

Betroffen ist zum einen Silke Wagners Standbild des verstorbenen münsterschen Aktivisten Paul Wulf, der zeitlebens gegen seine Zwangssterilisierung durch die Nationalsozialisten protestiert hatte. Gestrichen wurden auch Martha Roslers Architekturfragmente: Die US-Künstlerin hatte unter anderem ein Reichsadler-Relief des Architekten Ernst Sagebiel kopiert und vor einer Einkaufsgalerie in der Innenstadt aufgestellt.

Dass ausgerechnet diese beiden Arbeiten über die NS-Zeit nicht bleiben sollen, stieß bei Opposition und LWL-Landesmuseum auf harsche Kritik. Die CDU erwecke den Eindruck, sie verlasse den gesellschaftlichen Konsens über die notwendige Aufarbeitung der NS-Zeit, sagte der grüne Kultursprecher Tim Rohleder. Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold warnte vor "fatalen" Auswirkungen auf das Image der Stadt.

Zuschauer empört

CDU und FDP wiesen die Vorwürfe empört zurück. Paul Wulf dürfe nicht posthum zu einer Litfaßsäule degradiert werden. Bei Martha Rosler monierten sie, dass zwar der Adler erhalten werden könne, nicht aber andere Teile der weitläufigen Arbeit.

Allerdings hat Martha Rosler bereits ihr Einverständnis gegeben, nur den Adler stehe zu lassen. Und Paul Wulfs Bewunderer sind empört: "Sie spucken auf sein Grab", rief ein Zuschauer im Kulturausschuss den Politikern zu.