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Lobe den Herrn, tu Gutes!

NEWPORT NEWS Die Fahrt führt vorbei an Herrenhäusern mit Blick auf den James-River. Top-Adresse, gärtnergepflegte Parkanlagen. Hier wohnt sie nicht, die Chefin der Harlem Gospel Singers. Queen Esther lebt downtown, nicht protzig, nicht königlich.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 18.12.2007

Ein bisschen sind wir erstaunt, als wir vor einem kleinen, verklinkerten Häuschen halten. Die Lady ist ein Star, Prinzipalin der weltweit besten Gospeltruppe - und wohnt so bescheiden?

Mehr oder minder MTV-geschädigt, hat man eine Glamour-Residenz erwartet. Mein Pool, meine Villa, meine Stallungen. Doch hier zeigt die Kleinstadt Newport News (im Staate Virginia) ihr Alltagsgesicht und das ist trist. Holzbauten mit schmaler Veranda, manche schäbig oder verrammelt. An Kreuzungen lungern schon mittags junge Burschen herum, nach deren Beruf man lieber nicht fragen will.

Zwei Blocks vom Haus der Queen haben Polizisten einen Wagen gestoppt, darin zwei Schwarze mit Wollmützen. Ein Cop lehnt am Fahrerfenster, die Kollegin sichert mit der Hand an der Dienstwaffe. Das sieht nach heißem Pflaster aus, nach Ghetto-Dramen wie "Boys in the Hood". Und hat unser Fahrer nicht erzählt, da und da und dort auch sei jemand erschossen worden? Queen Esthers herzliches Willkommen wischt jede Beklemmung weg. Ihr Heim entpuppt sich als gemütliche Oase der Freundlichkeit. Es ist das Haus ihrer Großmutter. Sie hat es gekauft, renoviert und ist von New York hergezogen. Zurück zu ihren Wurzeln.

Sozialarbeit der Kirche

Dahin, wo Gospel Lebenselixier ist, der Glaube Halt gibt und die Kirche sich als Sozialarbeiter betätigt. Den Herrn zu loben, ist nicht genug. Es gibt konkrete Sorgen in downtown Newport: Keine Arbeit, Drogen, Gewalt, Prostitution.

Mitten im Problemviertel steht das "House Of Prayer For All People" (Gebetshaus für Jedermann). Eine schmucke Kirche, errichtet von Spenden. Leuchtturm praktischer Lebenshilfe: "Weg vom Fernseher, weg von der Straße", beschreibt Queen Esther das Ziel.

Donnerstags probt sie mit dem Jugendchor. Es gibt viele solcher Angebote für junge Leute. "Kinder haben Kinder, das ist das Kreuz", sagt die Queen. "Sie wissen nichts von Erziehung, vom Kochen, von gemeinsamen Mahlzeiten." Man müsse ihnen erst beibringen, ein Haus nicht verlottern zu lassen. Die Gemeinde übernehme Vorbildfunktion. Wer Kirche als Familie erlebe und im Chor Gospel singe, der lande nicht als Dealer an der Straßenecke.

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