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Luxus, wie ihn die alten Römer liebten

HALTERN Schon die Ausstellung "Die letzten Stunden von Herculaneum" war ein Riesen-Erfolg. Jetzt kommt die nicht minder spektakuläre Schau "Luxus und Dekadenz" ins Römermuseum Haltern. Eröffnung ist am 16. August.

von Von Thomas Liedtke

, 10.08.2007
Luxus, wie ihn die alten Römer liebten

Die Venus ist das Symbol der Ausstellung.

Eine Muräne wacht vor der neuen Ausstellung im LWL-Römermuseum Haltern. Durch Klopfen kann der Besucher den Raubfisch aus seiner Höhle locken. Moderne Computertechnik macht's möglich. Weder der Fisch noch sein Meerwasserbecken sind echt. Ganz real sind aber die goldenen Ohrringe daneben. Mit solchem Schmuck soll die Gattin des Drusus ihre Hausmuräne behängt haben.

Dass dies noch längst nicht der Gipfel der Dekadenz ist, erfahren die Besucher beim Gang durch die ebenso spektakuläre wie informative Ausstellung. „Wir entführen in eine Welt des Konsumrausches, in der nicht Geiz geil war, sondern Luxus.“ Dr. Jörn Christiansen verspricht nicht zu viel. Er ist Direktor des Focke-Museums in Bremen, das neben dem Römermuseum, der Archäologischen Staatssammlung München und dem Museum Het Valkhof in Nijmegen an der Kooperation beteiligt ist. Die Eroberung des Mittelmeerraumes, die gnadenlose Ausbeutung der Provinzen machte Rom reich. Aber längst nicht alle profitierten davon. „Nur ein Prozent von rund 80 Millionen Römern gehörte der Oberschicht an“, weiß Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des Römermuseums. Aber die lebten in kaum vorstellbarem Luxus.

Spielwiese des Jetsets

Spielwiese des Jetsets war der Golf von Neapel. Hier hatten fast alle Kaiser ihre Villen und in ihrem Gefolge kamen alter Adel und neuer Reichtum. Man war reich und zeigte es. Eine Million Sesterzen für einen Tisch aus Zitrusholz, 4000 Sesterzen für ein Pfund Purpurfarbe – was kostet die Welt? Ein Bürger der Unterschicht verdiente vier Sesterzen am Tag. Damit konnte er sicher kein Gastmahl ausrichten, das sich nicht nur ein Feldherr Lucullus gerne einmal 200 000 Sesterzen kosten ließ. Frische Austern, gebackene Singdrosseln, Siebenschläfer mit Honig. Auf Geschmack kam es weniger an. Hauptsache Zubereitung und Dekoration waren ungewöhnlich. Der Griff zum Federkiel, um Platz im Magen zu schaffen, ist aber nur als Unsitte Einzelner überliefert. Reichlich Wein und leicht bekleidete Tänzerinnen waren dagegen unverzichtbar.

Kritik am Luxuswahn

Auch mit der Kritik, die dieser Luxuswahn hervorrief, setzt sich die Ausstellung auseinander. „Nachdem man piekfeine Bäder eingeführt hat, sind die Leute schmutziger geworden“, bemerkte Philosoph Seneca vieldeutig.

Die Ausstellung ist vom 16. August bis zum 25. November täglich geöffnet. Dienstags bis freitags: 9 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags: 10 bis 19 Uhr. Montags sind nur Gruppenführungen möglich. Anmeldungen unter Tel. (02364) 93 76-38.