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Schauspielhaus Bochum

Macht der Depression

Bochum Das Schauspielhaus Bochum wagt sich an das filmische Meisterwerk „Melancholia“ und findet überwältigende Bilder für den Weltuntergang.

Macht der Depression

Schrecken am schönsten Tag des Lebens: die Hochzeitsgesellschaft in der Bochumer „Melancholia“-Version Foto: Aurin

Selten übt ein Film einen so starken Sog aus wie „Melancholia“. Lars von Trier lässt darin bildgewaltig die Welt untergehen und feiert die Apokalypse als Erlösung für seine depressive Hauptfigur Justine: Alles, woran sie leidet, wird nicht mehr sein.

Am Schauspielhaus Bochum ist jetzt Regisseurin Johanna Wehner mit Bühnenbildner Volker Hintermeier gelungen, den Stoff mit einer eigenen beeindruckenden Bild-Ästhetik zu erzählen.

Riesige schwarze Kugel als Himmelkörpler

Die Bühne wird beherrscht von einer riesigen, durchlöcherten schwarzen Kugel. Ein Himmelskörper.

Die Erde nach dem Untergang, nach dem Zusammenprall mit dem Planeten Melancholia, der durch unser Sonnensystem zieht und doch eigentlich nur vorbeifliegen sollte – wie ein Schatten, der sich kurz auf die Seele legt und wieder verschwindet. Doch dieser Schatten ist nicht verschwunden, er ist zur wüsten und leeren Welt geworden.

Justine gestaltet wieder ihr Leben

Lars von Trier erzählt im Film mit Kirsten Dunst als Justine von der ungeheuren Macht der Depression, die als Krankheit kommt und als Zustand bleibt. Im Angesicht des Weltuntergangs erstarkt die junge Frau, wird wieder Gestalterin ihres (Rest-)Lebens.

Das Theater hat keine Handkamera-Großaufnahmen zur Verfügung, um solch eine Geschichte über mimische Nuancen und Erschütterungen von Körperteilen zu schildern. Also macht Johanna Wehner „Melancholia“ zum Ensemblestück. Justines gesamte Hochzeitsgesellschaft ist eine Zombiegesellschaft, die nur noch leere Rituale und phrasenhafte Gespräche zusammenhalten.

Starkes Ensemble

Zum letzten Mal zeigt sich das starke Ensemble, wie Olaf Kröck es für seine Ein-Jahres-Intendanz zusammengehalten hat, zur Premiere auf der großen Bochumer Bühne. Ab Ende Mai ist sie über den Sommer für Sanierungsarbeiten geschlossen.

Kristina Peters, eine von vielen Schauspielerinnen, die gehen, wenn Johan Simons kommt, macht auf berückende Art das seelische Unglück erfahrbar, das am vermeintlich glücklichsten Tag des Lebens besonders hart durchschlägt. Johanna Eiworth gibt ihre Schwester Claire eine Spur zu überkandidelt und hysterisch.

Überwältigende Standbilder und Lichtorgien

Eine großartige Idee war es, die abgründige Hochzeitsgesellschaft mit der inklusiven freien Theatergruppe dorisdean zu besetzen – und sie dabei in keinster Weise auszustellen. Menschen mit Behinderung spielen hier mit großer Selbstständigkeit normale Nebenrollen, Freaks sind die anderen.

Allein für die überwältigenden Standbilder und Lichtorgien, mit denen man auf der schönen Bochumer Bühne das Ende der Welt malt, lohnt diese Inszenierung.

Termine: 30.3., 5./12./13./ 19./27.4.; Karten: Tel. (0234) 33335555.

www.schauspielhausbochum.de

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