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Malerischer Klimawandel

DORTMUND Vor 20 Jahren verließ Ilya Kabakov seine Heimat Russland, die damals UdSSR hieß. Die Auseinandersetzung mit seiner Emigration und dem Schicksal des Landes dauert bis heute an. Im Dortmunder Museum am Ostwall eröffnet nun eine Ausstellung zum russischen Thema.

von Von Katrin Pinetzki

, 19.10.2007
Malerischer Klimawandel

"Under the Snow" - auch dieses gigantische Werk hängt im Dortmunder Museum am Ostwall.

„Under the snow“ heißt sie, „Unter dem Schnee“ – in Russland bemüht man gern Wetter-Metaphern, um das gesellschaftlich-politische Klima zu beschreiben. Museumsdirektor Dr. Kurt Wettengl gelang es, erstmals den gesamten Komplex dieser neueren Arbeiten aus den Jahren 2004 bis 2006 zu zeigen – 23 großformatige Gemälde und 32 Aquarelle und Zeichnungen, zusammen geliehen aus der ganzen Welt.

  Palast der Projekte machte sie bekannt

Bekannt wurden Ilya Kabakov und seine Frau Emilia durch ihre Installationen – man denke an das bewohnte Toilettenhäuschen 1992 auf der documenta oder den „Palast der Projekte“ in der Kokerei Zollverein. Gemalt hat Kabakov jedoch immer; tatsächlich knüpfen seine Schnee-Bilder an eine Serie aus den Jahren 1977/78 an. Nur wer sich an die chronologische Reihenfolge der Hängung hält, erkennt die Entwicklung in seinen Bildern. Allen gemein ist eine Schneedecke, in der sich Tau- und Sichtlöcher auftun. Was dahinter zum Vorschein kommt, ändert sich mit der Zeit.

    Von der Militärparade zur Masse ohne Gesicht

  Zunächst sind es mit impressionistischem Strich gemalte Motive sowjetischer Propaganda: eine Militär-Parade, diskutierende Parteikader, sozialistische Architektur, ein fröhlicher Stahlarbeiter. Tiefgefrorene Motive aus dem kollektiven Bild-Gedächtnis, aus dem Kabakov da noch immer schöpft. In späteren Bildern werden die Schmelzlöcher eckig, scheinen fast gewaltsam in die Leinwand gerissen. Die Menschen dahinter sind nur noch Schemen, bilden gesichtslose Massen oder blicken den Betrachter wie aus Höhlen ängstlich an. Gleichzeitig kommt ein Sehnsuchtsmoment in diese letzten Bilder, türkis-grün-blau leuchten die Landschaften utopisch in weiter Ferne – eine leise Hoffnung auf Klimawandel.   

Museum am Ostwall, Dortmund: „Under the Snow“, Ostwall 7, bis 27.1.08, Di, Mi, Fr, So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, Sa 12-17 Uhr.