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Mehr als nur eine Welt

Eigentlich erlaubt das Fantasy-Genre Autoren und Filmemachern alle Freiheiten. Doch gerade die berühmtesten Fantasy-Geschichten wie C.S. Lewis' "Narnia"-Zyklus tendieren dazu, konservative oder sogar autoritäre Ideen und Vorstellungen zu propagieren. Dass es auch ganz anders geht, davon zeugt Philip Pullmans wundervolle Romantrilogie "His Dark Materials".

von Von Sascha Westphal

, 04.12.2007
Mehr als nur eine Welt

Schön zwielichtig: Nicole Kidman als Mrs. Coulter.

"Der goldene Kompass", ihr erster Teil, ist nun von Chris Weitz verfilmt worden. Und wie die Romane stellt auch diese Adaption alles in den Schatten, was dieses Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

Parallele Welten

In Pullmans Universum gibt es nicht nur eine Welt, sondern zahllose parallele Welten, die einst alle miteinander verbunden waren. Doch über Generationen hinweg haben die Herrschenden mittels des Magisteriums, einer zugleich kirchlichen und staatlichen Behörde, alle Hinweise auf die parallelen Welten unterdrückt.

Nun ist der Polarforscher Lord Asriel (James Bond-Darsteller Daniel Craig) im Norden auf einen rätselhaften Staub gestoßen, der das Tor zu den anderen Welten öffnen könnte. Da diese Entdeckung die Existenz des Magisterium bedroht, setzen seine Vertreter alles daran, Lord Asriel aufzuhalten.

Eigene Welt erschaffen

Einen Mordanschlag kann Asriels zwölfjährige Nichte Lyra (Dakota Blue Richards) verhindern. Damit beginnt ein Abenteuer, bei dem sie zunächst in die Fänge der so verführerischen wie zwielichtigen Mrs. Coulter (Nicole Kidman) gerät. Aber ihr gelingt schon bald die Flucht, auf der sie Hilfe bei fliegenden Hexen, Seefahrern, einem Cowboy (Sam Elliot) und dem sprechenden Eisbären Iorek Byrnison findet.

Pullman und Weitz haben in "Der goldene Kompass" eine Welt erschaffen, die zwar an das viktorianische Zeitalter erinnert, aber etwas ganz Eigenes ist. Schon die Idee, dass die Seelen der Menschen sie in Gestalt von Tieren begleiten, hat etwas Zauberhaftes. Diese liebevoll animierten Begleiter sorgen für wunderbar komische Momente.

Anders als in "Narnia" oder den "Herr der Ringe"-Filme geht es bei Weitz in den perfekt inszenierten Action-Szenen nicht darum, degenerierte Kreaturen zu bekämpfen und eine neue Ordnung zu errichten. Sie geben vielmehr einem anarchischen Freiheitsdrang Ausdruck. Jede kriegerische Handlung wird als notwendiges Übel erkennbar. Aus Gewalt kann nichts Gutes entstehen. Sie ist nur manchmal unvermeidbar, wenn es darum geht, unsere Eigenständigkeit zu verteidigen.

Kritik von konservativen Christen

Philip Pullmans Romantrilogie "His Dark Materials" (Sein dunkler Rohstoff) hat ihren Titel aus John Miltons Hauptwerk "Paradise Lost", in dem es über die Naturgewalten heißt "Wenn nicht des Schöpfers Allmacht sie bestimmt/Zum dunklen Rohstoff neuerschaffner Welten". Die Trilogie besteht aus "Der Goldene Kompass" (1995) ,"Das magische Messer (1997) und "Das Bernsteinteleskop" (2000).

Konservative Christen in den USA ziehen derzeit gegen den Film zu Felde. Pullman sei bekennender Atheist und seine negative Darstellung des Magisteriums sei ein schwach kaschierter Großangriff auf das Christentum, besonders auf die katholische Kirche, beschwerte sich der US-Verband "Katholische Liga". Pullman selbst hat in zahlreichen Interviews und Artikeln keinen Hehl aus seiner Kritik an Religionen gemacht. epd

(Ab Donnerstag im Kino.)

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