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Mission Metamorphose

OBERHAUSEN Nein, mit dem Auflegen von Lippenstift und Lidschatten ist es nicht getan. Maskenbildner Thomas Müller macht mehr: Er hilft bei einer Metamorphose. Bei der Verwandlung des Schauspielers in eine Figur. "Manche verlassen den Raum mit ganz anderer Körpersprache."

30.10.2007
Mission Metamorphose

Thomas Müller schminkt Schauspielerin Franziska Werner.

Nähe ist für den 45-Jährigen tägliches Geschäft. Der Leiter der Abteilung "Maske" am Theater Oberhausen rückt Schauspielern zu Leibe. Zentimeter sind es beim Schminken der Lippen, Millimeter beim Tuschen der Wimpern. Wenn er einen Bart anklebt, hantiert er geschlagene 45 Minuten an einem Gesicht. "Leichte Nervosität" habe er am Anfang gespürt, erinnert sich Thomas Müller. "Dann wird es Routine."

"Ich brauche Vertrautheit"

Eine andere Art von Nähe sei viel entscheidender. "Die Schauspieler brauchen Vertrauen, ich brauche Vertrautheit." Er muss die Gesichter kennen, die er schminkt. Denn auf den schwarzen Drehstühlen heißt das Motto: Kosmetik extrem. Die junge Darstellerin zum Beispiel, die privat auf Schminke verzichtet, muss plötzlich den Vamp mimen. "Eine echte Herausforderung kann auch sein, einen schönen Menschen hässlich zu schminken", sagt Müller. Oder aus einem Seemann in 35 Minuten ein Skelett zu machen.

Mit Sicherheit schön

Und die Schauspieler? Die haben Vertrauen zu Müller, der seinen Job seit 23 Jahren ausübt. Dass er weiß, dass sie Kontaktlinsen tragen. Dass er niemals so fest durchs Gesicht fuhrwerken würde, dass es unangenehm wird. Dass sie sich in seine Hände geben können, um für drei Stunden ein ganz anderer zu werden. Dass sie, wenn sie den Raum verlassen, so schön oder eben so hässlich aussehen wie nötig.

Die Situation im Schminkstuhl ist sensibel, weiß Müller (auch weil er selbst manchmal auf der Bühne steht). Eine freundschaftliche Stimmung muss hier herrschen. Sonst funktioniert das nicht, was Müller "Magie" nennt und nur zu erreichen ist, wenn ein Team gut zusammenspielt.

Jenseits der Frisörgespräche

Über "Frisörgespräche" gehen die Unterhaltungen dabei weit hinaus. Müller hat die Theaterstücke stets genau gelesen und intensiv mit den Kostümbildnern gesprochen. So diskutiert der Maskenbildner derzeit viel über Shakespeare - der "Kaufmann von Venedig" hat am Freitag in Oberhausen Premiere - und entwickelt das Erscheinungsbild der Figuren mit den Darstellern gemeinsam.

"Augen auf bei der Berufswahl"...

Nur in der Stunde vor der Premiere verstummen alle. "Dann ist es hier so still, da können Sie die berühmte Stecknadel fallen hören", erzählt Müller. Wenn die Schauspieler später ein Stück gut kennen, wird beim Schminken "Text gemacht", also die Dialoge tonlos und schnell geübt. Oder die Darsteller suchen die Ablenkung, plaudern über Privates. Müller: "Dann kann es hier lustig und laut zugehen." Und wenn das Ankleben eines Bartes mal wieder endlos mühsam ist, dann dauert es nicht lange, bis der Schauspieler oder der Maskenbildner den stehenden Spruch der Abteilung zitiert: "Augen auf bei der Berufswahl".

 

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