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Musiker mit Leib und Seele

ESSEN Die Zukunft der klassischen Musik liegt in Venezuela? Simon Rattle meint diesen Satz ernst. Die Musiker, an die er dabei denkt, wurden am Dienstagabend in der Essener Philharmonie gefeiert wie kaum ein Orchester zuvor.

von Von Klaus Lipinski

, 22.08.2007
Musiker mit Leib und Seele

Ein Temperamentsbündel: Gustavo Dudamel dirigierte in Essen.

Man hätte dieses Konzert mehrfach ausverkaufen können. Denn Gustavo Dudamel und sein "Simon Bolivar Youth Orchestra" faszinieren seit einigen Jahren die ganze Welt.

Er wollte benachteiligten Kindern mit Hilfe der Musik eine Chance geben. Für diese Idee erhielt José Antonio Abreu, der Vater des Orchesters, den alternativen Nobelpreis. Mittlerweile erhalten in Venezuela 250 000 Kinder kostenlosen Musikunterricht. Das ist ein Prozent der Bevölkerung. Mehr als in Deutschland. Dass als Ergebnis ein Weltklasseorchester entsteht, hätte wohl niemand gedacht, als Abreu 1975 mit elf Musikern in einem Parkhaus anfing. Deren inneres Engagement könnten sich viele Orchester als Beispiel nehmen.

Riesige Besetzung

Das gilt auch für die erstklassigen Holzbläser oder die hervorragenden Hörner. Da es darum geht, möglichst viele Musiker zu beteiligen, spielen sie in riesiger Besetzung: zwölf Bässe, 18 Bratschen, fast 30 erste Violinen. Dem Klang schadete das nicht, auch wenn es in Beethovens dritter Sinfonie natürlich nicht um Aufführungspraxis ging.

Dirigent mit Temperament

Der Erfolg ist vor allem verbunden mit dem Namen Gustavo Dudamel. Das 26-jährige Temperamentbündel ist aus diesem Förderprogramm hervorgegangen und mittlerweile der jüngste Stardirigent der internationalen Szene. Seine Stärke ist vor allem die rhythmische Spannung. Energie und Ekstase sind ihm wichtiger als fein abgestimmte Farben. Seine oft rasant vorwärts gepeitschten Tempi wirken nie ungestüm und kopflos.

Ein großer Spaß

Die Fuge des zweiten Beethoven-Satzes kann man deutlicher sezieren, aber die Suite aus Bernsteins "West-Side-Story" und einige südamerikanische Stücke waren ein großer Spaß, den das Orchester schließlich in den Zugaben zur Party machte. Wer diese Musiker erlebt, wird Simon Rattle glauben.