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Nachts an der Revier-Riviera

Kanalglühen

DUISBURG Gedränge auf dem Freideck der „MS Stadt Duisburg“. Erik Göngrich und Jan Liesegang von raumlabor berlin luden am Samstag im Rahmen des Ruhr.2010-Projekts "Kanalglühen: Non-Stop-City" erstmalig zum nächtlichen Schippern auf dem Rhein-Herne-Kanal.

von Von Klaus Stübler

, 18.04.2010
Nachts an der Revier-Riviera

Die MS Stadt Duisburg schipperte in der Dämmerung an Industriekulissen vorbei.

Ein Vier-Stunden-Bootstrip vom Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich bis zum Stadthafen Recklinghausen unter dem Motto „Kanalglühen: Non Stop City“. Eine „endlose Stadt“ an den Ufern des Rhein-Herne-Kanals? Davon ist vom Schiff aus wenig zu sehen. Stattdessen: Industrieanlagen, die Müllverbrennungsanlage und der Gasometer von Oberhausen, Tanks, Kraftwerke. Über 100 Brücken kreuzen den Weg, darunter sieben niedrige, bei denen man den Kopf einziehen muss, um nicht dagegen zu stoßen. „Die Brücken überlagern den Kanal wie ein Barcode, der die Geschichte der Mechanisierung und Vernetzung dieser Zwischenstadtlandschaft erzählt“ (Göngrich). Die Macher haben den Kanal letzten Sommer bei ihrer Konzipierung als „Riviera des Ruhrgebiets“ erlebt, aber um diese Jahreszeit schwimmt hier noch niemand im trüben Nass. Sie vergleichen die Region mit dem Großraum Los Angeles: ein sich ausbreitender Teppich, wenige Querverbindungen.

Schriftprojektionen an die Kanalmauer bzw. Uferböschung sollen die Gedanken lenken, etwa: „Welche Architekturen würden Sie gerne abreißen?“ Und: „Glüht der Kanal länger als die Kohle?“ Viele, immer wieder gestellte Fragen. Geschichten werden erzählt, etwa von der legendären Sensationssportlerin Lucie aus Bottrop, von Berufstätigen rund um den Kanal. Dazu gibt es auf einer Videoleinwand ein paar Filme, allerdings mit wenig direkten Bezügen zu konkreten Orten am Kanal. Spätestens da wird deutlich, dass sich diese Veranstaltung weniger an auswärtige Besucher richtet als an Hiesige, welche ihnen bekannte Industriekulissen einmal nachts aus ungewohnter Perspektive genießen wollen. Irgendwann aber wird’s lang, macht sich Kanalfrösteln breit, untermalt von wummernden elektronischen Beats. Am Ende aber gibt’s noch eine konkretisierte Utopie, aus dem Jahr 2035: Zur Bekanntschaft mit einer „ganz neuen Weinbautradition“ wird unter Deck „Große Heimat“ kredenzt – ein Riesling aus Recklinghausen.    

 www.ruhr2010.de/kulturkanal