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Nero könnte Popstar sein

GELSENKIRCHEN Claudio Monteverdi, das erste Operngenie unserer Musikgeschichte, war 75 Jahre alt, als er 1642 "Die Krönung der Poppea" schrieb und damit die Entwicklung der Oper für Jahrhunderte vorbestimmte. In Gelsenkirchens "Musiktheater im Revier" wurde sie nun, wie schon vor 22 Jahren, mit großem Premierenbeifall bedacht.

von Von Heinz-Albert Heindrichs

, 10.03.2008
Nero könnte Popstar sein

Gott Amor (Wolf-Rüdiger Klimm, hinten) lenkt unbemerkt die schöne Poppea (Claudia Braun).

"Die Krönung der Poppea" war die erste Oper überhaupt, die auf historischen Tatsachen basierte, die der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet hatte. Um die Liebe der schönen Poppea (Claudia Braun) zu erringen, zerstört Kaiser Nero (Anke Sieloff) die Ehe Poppeas mit Ottone (Altus Mattias Lucht), seine eigene mit Kaiserin Ottavia (Noriko Ogawa) und geht über Leichen: Er befiehlt Seneca, seinem widerspenstigen Erzieher (Christian Helmer), sich zu töten. Das zynische Machtspiel vermögen nur dje unteren Chargen mit Sarkasmus zu unterlaufen (William Sactre als Amme).

Samuel Bächli dirigierte schon vor 22 Jahren

Das Besondere der Produktion: Vor 22 Jahren wie auch heute ist Samuel Bächli ihr musikalischer Inspirator. Als junger Kapellmeister berief er sich auf Nikolaus Harnancourts historisierende Instrumentation von 1977. Als heutiger Operndirektor des Hauses hat er nun, zusammen mit Kai Tietje, eine eigene Instrumentation erarbeitet, die barocken Klangsinn und moderne Sounds koppelt: Da vermischt sich ein altes Instrumentarium mit einem von heute. Dazu muss man wissen, dass Monteverdjs Partitur nur die Singstimmen und die Harmonien vorgab, die Instrumente aber nicht. Das ist heute eine große Chance, die Aufführung durch eine neue Orchestersprache zu aktualisieren.

 Barock und Moderne geschickt verquickt

So bestimmt Bächlis Konzept auch die Szene: Die Kostüme (Susanne Hubrich) verquicken Barock- und heutige Alltagskleidung. So könnte Kaiser Neros Outfit auch das eines Popstars sein und das der Poppea der Garderobe Marylin Monroes entstammen. Die Bühne von Eckhard-Felix Wegenast rotiert und lässt Requisiten zu, die vom Kaiserthron bis zum Barhocker die Szene verfremden.

Im Vorspiel zu den drei Akten besingt Gott Amor (Wof-Rüdiger Klimm) die Macht der Liebe. Regisseurin Bettina Lell lässt ihn, unsichtbar für die Akteure und sozusagen als Schicksal spielende Kraft, das ganze Geschehen dirigieren. Ein guter Einfall, der Monterverdis realistischen Zugriff freilich abschwächt. Gesungen wird hinreißend, und Monteverdis Musik in dieser Fassung ist einfach sensationell und ein pures Hörvergnügen.

Termine: 13./ 30. März, 4. April. Karten: Tel. (0209) 4 09 72 00.

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