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Nur mit einem Rucksack aus Polen geflüchtet

DORTMUND Nur mit einem Rucksack und einem falschen Pass flüchtete Marek Wolski-Poliwski im Jahr 1979 aus Polen nach Deutschland. Wegen seines politischen Engagements für die frühe Solidarnosc-Bewegung fürchtete er um sein Leben. Sein Schicksal fand Eingang in das neue Buch "Polen-Ruhr", das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe vorgestellt hat.

von Von Bettina Jäger

, 09.08.2007
Nur mit einem Rucksack aus Polen geflüchtet

Präsentierten das Buch: Marek Wolski-Poliwski, Maria und Czeslaw Golebiewski, Dagmar Kift und Dietmar Osses.

Zuhause in Polen nahmen die Verhaftungen zu, damals im Jahr 1979. Priester stürzten angeblich Treppen hinunter, Studenten verschwanden in Strafkompanien. Nach der Ermordung eines Freundes traf Marek Wolski-Poliwski, der zur ersten Solidarnosc-Bewegung gehörte, die wichtigste Entscheidung seines Lebens: Er flüchtete nach Deutschland. „Das war eine Reise ins Ungewisse“, erinnert er sich.

Das neue Buch "Polen - Ruhr", das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe gestern im Industriemuseum Zeche Zollern vorgestellt hat, erzählt solche Geschichten. Aber vor allem berichtet es ganz sachlich von den Zuwanderungs-Wellen aus Polen ins Ruhrgebiet von 1871 bis heute.  Die Herausgeber Dagmar Kift und Dietmar Osses zeichnen ein vielschichtiges Bild der Einwanderer.

Bochum als Polenzentrum des Reviers

Wer weiß noch, dass Bochum vor 1939 das „Polenzentrum des Reviers“ war? Bewegend auch das Schicksal der „Displaced Persons“ (DP). Von den Nazis nach Deutschland verschleppt, landeten Tausende von Polen nach 1945 in einem Lager in Haltern. Sachlich schildert Dietmar Osses die Konflikte mit der Halterner Bevölkerung. In Dortmund bekamen 1075 „DP´s“ eine neue Heimat in Eving.

Ein neuen Platz zum Leben finden, sich einzufügen ohne die Identität zu verlieren – das ist bis heute das zentrale Problem der Migranten. Maria Golebiewski betreibt deshalb mit ihrem Mann Czeslaw das Kulturrestaurant „Gdanska“ in Oberhausen – ein Treffpunkt für Polen und Deutsche, die ins Gespräch kommen wollen. Sie sagt: „Wir haben die Seele und die Seele schläft nicht."

Das Buch „Polen – Ruhr“ ist in allen Shops des LWL-Industriemuseums und im Buchhandel erhältlich, Klartext-Verlag, 14,90 €, ISBN 3-8986-851-X. "Westfalczycy – Ruhrpolen" heißt eine dazugehörige Ausstellung. Sie wird vom 17.8. (Eröffnung 19 Uhr) bis 28.10 im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum zu sehen sein, Günnigfelder Str. 251, Do 14-20, Fr/Sa 14-18, So 11-18 Uhr.