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Nur zwei Prozent Klassik-Fans

DORTMUND Als Ko-Intendantin der Stuttgarter Staatsoper hat Pamela Rosenberg Luigi Nonos „Intolleranza“ zu einer sagenhaften Auslastung von 92 Prozent geführt. Und als Generalintendantin der Oper San Franzisko hat sie Messiaens Oper „Saint François d'Assise“ zum Kult gemacht. Jetzt war die die erfolgreiche Musikmanagerin zu Gast im Konzerthaus Dortmund.

von Von Julia Gaß

, 23.10.2007
Nur zwei Prozent Klassik-Fans

Pamela Rosenberg im Gespräch mit Holger Noltze.

Seit dem 1. August 2006 ist Rosenberg Intendantin der Berliner Philharmoniker. Und obwohl sie an der Spitze eines der besten Orchesters der Welt steht, blickt die 62-Jährige sorgenvoll in die Zukunft des klassischen Musikbetriebs und fürchtet, dass sich nur zwei Prozent der Bürger für Klassik interessieren und dass das Publikum ausstirbt.

Durchschnittsalter 60 Jahre

    „Auch die Berliner Philharmoniker haben ein Publikum, dessen Durchschnittsalter bei knapp über 60 Jahren liegt“, erzählte Rosenberg bei ihrer „Lektion zur Musikvermittlung“ im Dortmunder Konzerthaus Moderator Holger Noltze. „Zu 97 Prozent sind die Konzerte ausverkauft, aber ich sehe wenig junge Menschen“, so Rosenberg – trotz erfolgreicher Jugendprojekte wie „Rhythm is it“. „Wir werden jetzt von jedem Konzert 50 Karten für Besucher unter 28 Jahren abgeben. Für 15 Euro. Auch, wenn wir sonst ausverkauft wären“, verspricht die Intendantin.

 Bildungspolitik ist das Hauptproblem

  Die deutsche Bildungspolitik, fehlende Musikerziehung in Schulen und Kindergärten, nun schon in der zweiten Generation, sieht die in Los Angeles geborene Musikexpertin als Hauptproblem. Und rechnete vor: „Es ist billiger, in musikalische Früherziehung in Kindergärten zu investieren. Gefängnisse sind teurer. Kinder, die Musik machen, sind gesellschaftsfähiger; wir hätten einen Bruchteil asozialer Wracks."

Politische Diskussion ist Pflicht

Hauptaufgabe aller Intendanten in Westeuropa und den USA sei, „eine heftige politische Diskussion über musische Bildung“ in Gang zu bringen. Als "Hebamme für die Kunst“ will Pamela Rosenberg weiter für mehr Klassik für Jugendliche kämpfen.