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Nelly-Sachs-Preis

Poesie der Versöhnung

DORTMUND Der irakisch-kurdische Autor Bachtyar Ali erhielt den Nelly-Sachs-Preis. Bei der Feierstunde in Dortmund betonte er, dass er nicht nur Hüter der Sprache sei.

Poesie der Versöhnung

Autor Bachtyar Ali mit Bürgermeisterin Birgit Jöder bei der Preisverleihung im Dortmunder Rathaus Foto: Schaper Foto: digital

Während am Sonntag in Stockholm der Literaturnobelpreis an Kazuo Ishiguro verliehen wurde, vergab die Stadt Dortmund ihren mit 15.000 Euro dotierten Nelly-Sachs-Preis an den irakisch-kurdischen Autor Bachtyar Ali. In ihrer Begrüßungsrede erinnerte Bürgermeisterin Birgit Jörder, die kurzfristig für den erkrankten Oberbürgermeister Ulrich Sierau eingesprungen war, daran, dass bereits drei Nelly-Sachs-Preisträger – Nelly Sachs, Elias Canetti und Nadine Gordimer – auch den Literaturnobelpreis bekamen: „Keine Garantie, aber eine Hoffnung“, scherzte sie in Richtung Ehrengast bei der morgendlichen Feierstunde im Dortmunder Rathaus.

Glaube an Menschlichkeit

In seiner Dankesrede betonte der 51-jährige Ali, dass er den Preis „als ein bedeutendes Zeichen für die Unterstützung der Literaturen des Orients sehe“. Auch sei der Nelly-Sachs-Preis „ein Zeichen der Hoffnung für all jene Menschen, die sich um das Überleben ihrer Sprache bemühen, seien sie Kurden oder aus anderen Volksgruppen“. Der seit mehr als 20 Jahren im Kölner Exil lebende Autor schreibt in der Sorani-Variante des Kurdischen. Dennoch möchte er nicht nur als „Hüter der Sprache“ gesehen werden.

„All’ meine Romane nähren sich aus meiner eigenen Faszination für den Menschen.“ Ali appellierte, niemals den Glauben an die Menschlichkeit zu verlieren. Er versteht seine Werke als Beitrag zur Versöhnung.

Kultstatus

Bisher sind mit „Die Stadt der weißen Musiker“ und „Der letzte Granatapfel“ erst zwei seiner Romane in deutscher Sprache erschienen (beide im Unionsverlag). So nutzte Jury-Mitglied Stefan Weidner in seiner Laudatio die Chance, anhand dieser beiden übersetzten Bücher in das Werk des hierzulande weitgehend noch unbekannten Schriftstellers Ali einzuführen. Und vorab gab er eine knappe Zusammenfassung der kurdischen Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg. Zwar schreibt Ali keine historischen Romane, aber sie spielen immer vor einem zeitgeschichtlichen Hintergrund seiner Heimat.

Der Laudator bescheinigte dem Preisträger, der in seiner Heimat eine Art Kultstatus habe, eine „zutiefst humane Haltung“. Der Roman „Die Stadt der Musiker“ sei ein „Manifest für die Kraft der Poesie und des Lebens“.

Die Auszeichnung sei „nicht nur ein Statement für diese besondere Art von Literatur, sondern auch eines für die Vielfalt der Literatur, die auf dem internationalen Buchmarkt häufig zu kurz kommt“. „Es lohnt sich also, uns eine Offenheit für andere Perspektiven auf die Welt zu bewahren“, resümierte Laudator Weidner.

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