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Präzise wie Schweizer Uhr

ESSEN Die Show fürs Auge bleibt er seinem Publikum bis zuletzt schuldig. Riccardo Muti entspricht rein gar nicht dem Klischee des feurigen italienischen Maestros, der mit wehendem Haar und vollem Körpereinsatz sein Orchester beschwört.

Präzise wie Schweizer Uhr

<p>Über so viel Applaus lächelte er dann doch noch: Das Publikum feierte Riccardo Muti und die Musiker aus Chicago. Foto Vinken</p>

Im Gegenteil, er wirkt fast unterkühlt, wenn er mit präzisen Gesten am Pult die Strippen zieht und zwischendurch auch mal über ganze (motorische) Passagen hinweg die Eigendynamik des Klangkörpers laufen lässt. Für die Musiker kann es keinen größeren Vertrauensbeweis geben- und sie haben ihn zweifellos verdient. Mit dem Chicago Symphony Orchestra (CSO) steht dem Maestro auf der gemeinsamen Europa-Tournee ein ebenbürtiger Partner der internationalen Spitzenklasse gegenüber. Am Sonntag war das hochkarätige Gespann in der ausverkauften Essener Philharmonie zu erleben - mit einem dramaturgisch überraschenden Programm.

    Vision der Apokalypse

Die schlechten Nachrichten präsentiert man besser zuerst, mag sich Muti bei der Konzeption des Abends gedacht haben. Die Botschaft, die Sergej Prokofjew mit seiner dritten Sinfonie überbringt, ist jedenfalls eine denkbar schlechte: eine zutiefst düstere Vision, die viele seiner Interpreten für nichts Geringeres als die Apokalypse hielten. Und auch Muti hält nichts von musikalischen Weichspülern: Scharf und schneidend sind die Klänge, mit denen Prokofjew die Hörer im wahrsten Sinne attackiert. Das Orchester funktioniert auch in eminent großer Besetzung wie ein Uhrwerk mit blitzsauberen Kontrasten und perfekt ausgewogenen Farbmischungen.

Frenetisch gefeiert

Muti und die Chicagoer werden dafür in Essen ebenso frenetisch gefeiert wie für einen leichten, farbenfrohen zweiten Teil mit spanischem Kolorit: drei Tänze aus Manuel de Fallas "Dreispitz"-Ballettsuite und Ravels spanische Rhapsodie sowie seinen größten Orchester-Schlager, den Boléro. Mag die Spannung des Programms damit prinzipiell nachlassen, Orchester und Maestro tun es nicht. Dem Titel der Konzertreihe "Sinfonische Höhepunkte" machen sie bis zum Schluss Ehre.     

  

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