Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Romantik trifft Moderne

HAGEN Jubel in Hagen am Ende der Premiere des Balletts aller klassischen Ballette: „Giselle“ nach Heinrich Heines Erzählung von den Sagen umwobenen Wilis.

von Von Marieluise Jeitschko

, 09.03.2008
Romantik trifft Moderne

Szene aus dem zweiten Akt mit den Wilis und ihrem Opfer.

Dass Ricardo Fernando seine Hagener Fassung vollmundig als „Uraufführung“ bezeichnet, hat etwas Verwegenes, aber auch rechtschaffen Offenes. Da wird nicht das naive Bauernmädchen wahnsinnig und stirbt an gebrochenem Herzen, als ihr Liebhaber sich als Adliger und Verlobter der Dame Bathilde entpuppt. Vielmehr vollführt ihr eifersüchtiger Verehrer Hilarion (hier Gastwirt statt Jagdaufseher) volltrunken einen wahren Feitstanz und richtet die Pistole auf den von Gewissensbissen zermarterten Rivalen. Als Giselle sich zwischen die Streithähne wirft, löst sich ein Schuss. Das Mädchen stirbt in den Armen der Mutter.

Wenn sich der Vorhang zum zweiten Akt, dem berühmten „ballet blanc“, öffnet, wird im fahlen blauen Dunst eine kahle Baumreihe hinter einer Ruine sichtbar – das Waldgasthaus, das Hilarion einst führte, ist verfallen. Ein Kreidekreuz auf der Felswand erinnert an das Unglück vor Urzeiten. Vorn auf dem Boden kauert ein Koloss, andere liegen verstreut wie Felsbrocken: die Wilis und ihre Opfer – versteinerte Frauen und Männer in eisgrauen, halblangen Tüllröcken. Dank dieses Kunstgriffs kann Fernando ein „Corps de ballet“ von einem ansehnlichen Dutzend auf die Bühne bringen.

Überzeugende Solisten

Die ebenso effiziente und wunderbar atmosphärische Ausstattung entwarf Dorin Gal völlig im Einklang mit Fernandos Choreografie. Die Solisten überzeugen allesamt durch begeisterndes Engagement: Simona Tartaglione als witzig natürlicher Teenie Giselle, Marcelo Moraes als lockenköpfiger Naturbursche Albrecht, Leonardo Fonseca als reifer, jähzornig eifersüchtiger Hilarion, Viola Crocetti als Albrechts Verlobte Bathilde und die zarte Carla Silva als Giselles liebevolle Mutter.

Die Damen und Herren der Truppe lassen sich völlig auf die temperamentvollen Tänze der Bauern und Winzer im ersten Akt ein, aber ebenso ernsthaft bemüht um die schlüssig stilisierten Formationen und Gesten im weißen Akt. Mag manches ungelenk und plump rüberkommen – das klassische Ballett hat hier eine ehrliche Chance, zumal das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Gwennolé Rufet keine Wünsche offen lässt. Respekt!    Termine: 16. u. 27. 3.; Karten: Tel. (0 23 31) 2 07 32 18.