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Rudern wie die Römer

HAMBURG Aus 1900 Jahre alten Schiffswracks stammen die Baupläne, die jetzt in einer Hamburger Werft verwirklicht werden: Ein altes Römerschiff entsteht hier neu. 2009 kommt es in unsere Region.

von Von Meike Jotzo

, 07.08.2007
Rudern wie die Römer

In der Werft Jugend in Arbeit entsteht das alte Römerschiff von neuem.

Die Sonne brennt auf das Wasser. 20 Ruder bewegen sich im Takt. In dem Schiff: Römer. Ein Bild aus der Vergangenheit – und der Zukunft. Denn das Kriegsschiff soll zurückkommen. Auf Nordsee, Donau, Ems und Lippe. Noch ist es nicht fertig gebaut, liegt in der Hamburger Werft Jugend in Arbeit e.V. in Hamburg-Harburg. Dort rekonstruieren Bootsbauer, Studenten und Auszubildende das römische Kriegsschiff nach Plänen zweier Schiffswracks aus Bayern.

1986 bei Ingolstadt gefunden, waren sie so gut erhalten, dass Archäologen anhand der Baumringe des Holzes ihr Alter bestimmten: Die Römer bauten sie zwischen 90 und 110 nach Christus. Die Planken für das neue Schiff sind – wie in der Antike – auch in Hamburg aus einem Stück. Die 16 Meter langen Lärchenhölzer können die Studenten und Azubis nur bearbeiten, wenn sie teilweise aus dem Fenster ragen. Alles fertigen sie selbst an, auch die Holznägel. „Ich finde es bemerkenswert, dass die tragenden Elemente die gleichen sind wie heute“, meint Bootsbaugesellin Carolin Groß. Altertümlich ist die Nut- und Federbauweise. „Die vier Zentimeter dicken Planken stecken wir mit flachen Holzplatten, den Federn, aneinander“, erklärt Groß, „das ist überholt.“

Schulklassen dürfen rudern

16 Meter lang, mit Mast neun Meter hoch und rund vier Tonnen schwer soll das hölzerne Kriegsschiff 2008 und 2009 auf Städtereise gehen. Rudern sollen dann Schulklassen oder Passanten. Sich fühlen wie die Römer, mit stolzgeschwellter Brust über die Lippe fahren. So lange, bis die Römer im Jahre 9 in der legendären Varusschlacht bei Kalkriese von Germanen vernichtend geschlagen wurden. Bald 2000 Jahre ist das her: der Grund für ein ehrgeiziges Ausstellungsprojekt des Halterner LWL-Römermuseums, des Museums Kalkriese und des Landesmuseums Detmold. Das nachgebaute Kriegsschiff wird das Aushängeschild der Schau „Imperium Konflikt Mythos“. „Wir wollten von Anfang an ein Schiff haben“, sagt Rudolf Aßkamp, Leiter des LWL-Römermuseums. Auch wissenschaftlich ist es von Bedeutung: Wie schnell konnten die Römer damit fahren? Wie unterscheidet es sich von späteren Schiffen? „Für die damalige Zeit war das ein technisch sehr hochwertiges Gerät“, meint Gerrit Wagener, Teamleiter der Schiffbauer.

2009 ankert es jeweils sechs Wochen an den Ausstellungsorten. Von Haltern aus soll es auch an die ehemaligen Römerlager an der Lippe kommen, etwa nach Beckinghausen in Lünen, nach Dorsten, Bergkamen und Delbrück. 2008 tourt das Schiff unter anderem durch Berlin und Köln.