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"Ruhrgebiet muss Identität außerhalb der Zechen finden"

Interview

ESSEN Öffentliche Plätze und Gebäude sind oftmals quadratisch, praktisch - aber nicht schön. Und wenig lebenswert. Die Bundesstiftung Baukultur will das ändern und tagt aktuell in Essen zum Thema "Baukultur des Öffentlichen". Ilka Bärwald sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Prof. Michael Braum.

16.04.2010
"Ruhrgebiet muss Identität außerhalb der Zechen finden"

Prof. Michael Braum von der Bundesstiftung Baukultur tagt auf Zeche Zollverein.

 

Der Konvent soll stattfinden in Orten, in denen das Thema quasi unter den Nägeln brennt. Einerseits, weil die Kommunen zu wenig Geld haben, um überhaupt mit dem Bauen hinterherzukommen, andererseits ist das Thema auch ein Zeichen, wie unsere Gesellschaft mit ihren Räumen umgeht. Der öffentliche Raum ist die Visitenkarte einer Stadt.

Wir beschäftigen uns mit Alltagsarchitektur. Also die Orte, die die Bevölkerung nutzen muss, wie Schulen und Kindergarten, aber auch Straßen, Plätze und Gassen. Hier treffen die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten unaufgefordert aufeinander, und es kommt manchmal zu Katastrophen, und es entstehen so genannte "No-go-Areas". Uns interessiert das Zusammenspiel von gestaltetem Raum und gesellschaftlicher Wirklichkeit.

Auch hier gibt es herausragende Bauten der Nachkriegsmoderne. Wenn ich aber zum Beispiel durch Gelsenkirchen oder Essen gehe, dann wundert mich schon die Ansammlung von Einzelgebäuden, denen der städtebauliche Zusammenhang fehlt. Es könnte überall sein. Was die Metropolregion finden muss, ist eine Identität außerhalb der Zechen.

Schalke ist Identität in Gelsenkirchen, die Fußgängerzone hingegen ist ein Stück austauschbar. In Berlin ist das anders. Dort spricht man immer von Stadtquartieren, nicht nur von Orten.

Wir müssen alles dafür tun, damit die Menschen wieder in die Innenstädte ziehen - architektonisch und städtebaulich. Dort zu wohnen, muss für sie wieder interessant werden, gerade für Familien mit Kindern. Denn die sind maßgeblich dafür verantwortlich, wie eine Stadt tickt.

Drei ausgewählte Gebäude und Plätze sehen sich die Konventteilnehmer zum Thema „Baukultur des Öffentlichen“ am Samstag, 17.4. an, interessierte Bürger sind willkommen.

  •  Start ist um 10 Uhr in der Erich-Kästner-Gesamtschule (Altbau) in Bochum, Eingang Stiepeler Straße.
  •  Ortswechsel nach Gelsenkirchen in die Fußgängerzone. Treffpunkt ist um 13 Uhr am Heinrich-König-Platz.
  • Weiter geht es um 16 Uhr am Hauptbahnhof Essen. Treffpunkt: Südseite am EVAG-Pavillon. An die Rundgänge schließen sich Diskussionen mit Vertretern von Stadt und Kultur an.

 » www.baukultur-k2010.de