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Ruhrtriennale - aber bitte mit Schlingensief

Festival beginnt wieder

BOCHUM "Endlich reden wir mal nicht über Kopftücher", seufzte die Künstlerin Shermin Langhoff dankbar. Und tatsächlich: Die Ruhrtriennale meidet in diesem Jahr die Untiefen der Politik. "Wir wollen stattdessen die tiefe, reiche Kultur des Islam zeigen", sagte Triennale-Chef Willy Decker.

von Von Bettina Jäger

, 29.04.2010
Ruhrtriennale - aber bitte mit Schlingensief

Willy Decker stellte das Programm der Triennale vor.

Vor allzu edlen Abenden muss man trotzdem keine Angst haben. Denn auch Christoph Schlingensief wird das Festival aufmischen. Er zeigt ab 21. August sein neues Stück "S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken" in der Stadthalle Mülheim. Dort will er erzählen, wie sich Afrika plötzlich vor Spenden kaum noch retten kann. Schön wär´s ja ...

37 Produktionen in 130 Vorstellungen zeigt die Ruhrtriennale vom 20. August bis 10. Oktober. 650 Künstler aus 27 Nationen wirken mit. 100 000 Programme sind gedruckt. 50 000 Besucher erwartet Michael Helmbold. Er hat nach dem Tod von Jürgen Krings, der an Krebs gestorben war, die kaufmännische Geschäftsführung übernommen.

Auf eine nachdenkliche "Wanderung - Suche nach dem Weg", so das Motto der Saison, macht sich Decker in diesem Jahr. Im Zentrum wird nach seiner Knüller-Inszenierung "Moses und Aron" im Jahr 2009 erneut eine eigene Arbeit stehen. Zur Eröffnung am 20. August 2010 inszeniert Decker "Leila und Madschnun" in der Jahrhunderthalle Bochum. Verfasst 1188 vom Dichter Nizami, erzählt dieses berühmte persische Epos von einer unmöglichen Liebe. Albert Ostermaier hat den Text dramatisiert, Samir Odeh-Tamimi komponierte die Musik.Gastspiel des Burgtheaters Wien

In einem Gastspiel des Burgtheaters Wien wird die Thematik weitergeführt: "Verbrennungen" (ab 23.9. in Bochum) erzählt von zwei jungen Leuten, die nach dem Tod der Mutter die tragische Verwicklung ihrer Familie in den libanesischen Bürgerkrieg entdecken müssen. Bernhard Robben, der Übersetzer von Salman Rushdie, wird aus dessen "Satanischen Versen" lesen (10.10.).

Nobelpreisträger Günter Grass hat sich bisher stets gegen eine Dramatisierung seiner "Blechtrommel" gewehrt. Jetzt durfte Armin Petras den Stoff für die Bühne einrichten (8.9., Jahrhunderthalle), Regie führt Jan Bosse.

Stefan Hilterhaus, der Chef des Tanzzentrums PACT Zollverein, hat im Auftrag Deckers vier Ballettcompagnien engagiert. Der berühmte William Forsythe gastiert mit seinem Stück "The Defenders" in Bochum (7.10.). Musikfans werden sich auf den Barock-Jazz-Abend "Amo!" mit Christine Pluhar und Philippe Jaroussky freuen (8./9.10., Duisburg-Nord).

"Gisela", die lang erwartete neue Oper von Hans Werner Henze, feiert am 25. September Uraufführung in der Maschinenhalle der Zeche in Gladbeck-Zweckel. Sie endet übrigens mit einem Ausbruch des Vesuvs. Hoffentlich ohne Asche.

Karten unter Tel. (0700) 20 02 34 56.