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Schneewittchen fällt aus ihrer Rolle

Tanzplattform 2018 in Deutschland

Bei der Tanzplattform in Essen zeigte Eisa Jocson ihre schrill-überzeichnete Performance „Princess“ und in William Forsythes „Catalogue“ brillierten zwei ältere Tänzer.

von Britta Helmbold

ESSEN

, 18.03.2018
Schneewittchen fällt aus ihrer Rolle

Das doppelte Schneewittchen in der Performance „Princess“ von Eisa Jocson Foto: Baumann

Ein Paar betritt die Bühne, führt mit angewinkeltem Armen die Handfläche aneinander, das Rauschen aus den Lautsprechern verstummt und in konzentrierter Stille startet die Choreografie „Catalogue (First Edition)“ von William Forsythe.

Spannend zu verfolgen sind die vielfältigen präzise ausgeführten Gesten, Bewegungsmuster, die Brit Rodemund und Christopher Roman in rund 20 Minuten präsentieren – zunächst nur mit ihren Armen, dann den ganzen Körper erfassend, den Raum einnehmend.

Eindrucksvolles Duett

Das eindrucksvolle Duett zeigte das Dance On Ensemble, zu dem nur Tänzer ab 40 Jahren gehören, gleich mehrmals am Wochenende auf Pact Zollverein in Essen im Rahmen der „Tanzplattform 2018 in Deutschland“.

Typische Ballettgesten zitierte ebenfalls die witzig-kritische, 60-minütige Performance „Princess“ von Eisa Jocson in Halle fünf auf dem Unesco-Welterbe Zollverein, und auch dieses amüsante Duett war am Wochenende dreimal zu sehen.

Endlich Prinzessin

Gemeinsam mit der Performerin Russ Ligtas schlüpft Eisa Jocson in die Prinzessin-Rolle: Hochartifiziell führen sie uns Schneewittchen vor – strahlend, winkend, lachend und auch mal weinend. Mit extrem hohen Piepsstimmen treten sie in Dialog mit dem Publikum.

Dann kippt das heiter-schrille Spiel, die Prinzessinnen-Darstellerinnen fallen aus ihren Rollen, das Disney-Klischee vom glücklichen Mädchen bröckelt. Denn Eisa Jocson untersucht die Arbeitsbedingungen in der globalen Unterhaltungsindustrie. So werden beispielsweise in Disneyland Hongkong zwar philippinische Tänzer eingesetzt, allerdings wegen ihrer Hautfarbe nur in Nebenrollen.

Nächstes Jahr in München

Fünf Tage gab das Festival in Essen und Gelsenkirchen Einblicke in die vielfältige Tanzszene, und fast sämtliche Vorstellungen waren laut Pressesprecherin Ann-Charlotte Günzel ausverkauft. Die nächste Tanzplattform findet 2019 in München statt.

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