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Schöne Zeit zu zweit?

HAMM Kein Paar, nur eine weinende Frau mit Sprechblase zeigt Roy Lichtensteins Siebdruck „Hopeless“ (1963) – das Wort „hoffnungslos“ lässt auf eine unerwiderte Liebe oder Eifersucht schließen und bringt damit den Partner ins Spiel. Denn um die Darstellungstradition von Paarbeziehungen in der Kunst geht es in der Ausstellung „Liebe.Love – Paare von Munch bis Warhol“ im Hammer Gustav-Lübcke-Museum.

von Von Britta Helmbold

, 05.03.2008
Schöne Zeit zu zweit?

Roy Lichtensteins Siebdruck "Hopeless" von 1933.

Die Schau ist ein Kooperationsprojekt mit Museen in Würzburg und Ulm. Doch in Hamm beginnt der Bilderreigen mit rund 100 Werken nicht erst im 19. Jahrhundert, sondern mit einem Dürer-Holzschnitt, einer Leihgabe der Dortmunder Galerie Utermann: „Die Eifersucht“, entstanden 1498/99, thematisiert die antike Mythologie, Herkules muss sich zwischen der Tugend und der Begierde entscheiden. Dieses Thema greift auch Munch in seinem Blatt auf. Doch bevor der Rundgang zu Liebes-, Ehe- und Alltagspaaren führt, beschäftigen sich Arbeiten – zum Beispiel von Max Beckmann – mit dem ersten Paar: Adam und Eva.

Spiel mit Geschlechterrollen

Der Streifzug führt zu drei Zeit- und Themenkomplexen, die die Facetten von Ideal und Realität, tradierten Rollenbildern und ihrer Veränderung beleuchten. Die Klassische Moderne ist vertreten durch Emil Nolde und Karl Schmidt-Rottluff (eine Leihgabe des Dortmunder Museums am Ostwall). Die Brücke-Künstler Max Pechstein und Otto Müller zeigen Liebespaare in intimen Momenten. In einem kleinen Grafik-Kabinett sind auch Müllers Lithografien, die als Entwurfsskizze für seine Gemälde dienten, zu sehen. Die Neue Sachlichkeit wird durch eine Bordellszene von George Grosz, aber auch durch Gemälde von Liebespaaren in Industrielandschaft von Conrad Felixmüller, die im Ruhrgebiet entstanden sind, präsentiert. Arbeiten aus den 1960er bis 1980er Jahre bilden den zweiten Schwerpunkt. Sie setzen sich mit dem Ritual der Hochzeit der Wiener Aktionist Rudolf Schwarzkogler und Niki de Saint Phalle auseinander. Der Einfluss der Medien auf die Rollenbilder und die Entfremdung von Mann und Frau wird u. a. von Andy Warhol und Roy Lichtenstein reflektiert.

Die letzte Station ist den Gegenwartskünstlern gewidmet. So hat die Kölnerin Rosemarie Trockel Freunde von sich unbekleidet beim Liebesspiel fotografiert. Doch ihr Blick ist nicht voyeuristisch, eher nüchtern, forscht nach der Art der Kommunikation unter Verliebten. Künstlerinnen wie Sophie Calle, Sabine Dehnel, Daniela Comani und Rabea Eipperle spielen mit vorgeprägten Geschlechterrollen und setzen sich zum Teil selbst in Szene. Abgerundet wird die sehenswerte Themenschau durch ein umfangreiches Begleitprogramm.   

Gustav-Lübcke-Museum, Hamm, Neue Bahnhofstr. 9: „Liebe.Love“ bis 1.6., Di –So 10 bis 18 Uhr (Feiertage abweichend), Tel. (02381)175701, Katalog 29,90 Euro.