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Schräger Publikumsliebling

GELSENKIRCHEN Mut und noch mehr Risikobereitschaft hatte Schauspieler Daniel Drewes )gebraucht, als er seine Gastrolle im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier (MiR) annahm und sich damit auf ziemlich unbekanntes Terrain begab.

von Von Nadja Schöler

, 30.12.2007

 

Eigentlich ist Daniel Drewes vor der Kamera zuhause. In TV-Produktionen wie "Balko", "Wilsberg", "Der Fahnder" oder "Lindenstraße" war der gebürtige Bottroper zu sehen. In John Gershwins Musical "Strike up the Band", das derzeit im MiR auf dem  Programm steht, spielt er George Spelvin, der sich als skurriler Geheimagent an die Fersen des Großindustriellen Käseproduzenten Mr. Fletcher heftet. 

Lässig, in Sakko und Jeans raucht Drewes vor der Vorstellung noch entspannt eine Zigarette, bevor er in die Maske muss und dort eine Metamorphose erlebt. Wer eine gute Stunde später auf die Bühne tritt, muss ein Anderer sein: mit viel zu kurzer Uniform stapft ein schlaksiger Spelvin über die Schweizer Alpen und jodelt die Feinde aus der Deckung, taucht als tolpatschiger Handwerker aus einer drei Meter hohen Blumenvase in Fletchers Käsefabrik auf und seilt sich ab. Sechs Mal muss Drewes sich während der Show umziehen.

Überwindung gekostet

"Man weiß eigentlich gar nicht, was er da macht. Die Rolle des Spelvin ist total übertrieben. Er verkleidet sich als Figur, dabei spielt die Figur mich, nicht umgekehrt. Mit Schauspieler-Logik kann man da nicht rangehen", erklärt Drewes. Als Appenzeller in gelber Lederhose, mit wollenen Kniestrümpfen (die übrigens entsetzlich auf der Haut kratzen sollen) und Blumenhut auf die Bühne zu treten, hat den 35-Jährigen schon Überwindung gekostet. "Ich habe gehofft, dass die Zuschauer diesen überdrehten Humor des Musicals verstehen, immerhin sitzen auch betagte Leute im Publikum."

Keine Nervosität

Von Nervosität trotzdem keine Spur mehr, immerhin ist "Strike up the Band" bei der Premiere gut angekommen. Da saßen auch seine Eltern im Publikum, aber "die sind ohnehin nicht die strengsten Kritiker", so Drewes.

Neben den Premiere-Proben stand er parallel für die Comedysendung "ScetchNews" vor der Kamera, den Text für das Musical hat er im Zug gelernt. Drewes belegt eine reine Sprechrolle zwischen all seinen singenden Kollegen - und albert sich auf grandiose Weise in die Herzen des Publikums. Für den Wahlkölner, der Schauspiel an der Folkwang-Hochschule in Essen studierte, ist die Rückkehr ins Revier "wie ein zweites Mal an den gleichen Urlaubsort zu kommen, es ist ein Stück Heimat, nur mit noch mehr Ein-Euro Shops".