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Schublade adieu

DÜSSELDORF Bunk ist auf der Suche nach sich selbst, Kunc konzentriert sich auf Kriegsszenen und Kapitalismus. Schulze braucht grundsätzlich zwei Leinwände für seine Bilder und Leverkühne macht den Malprozess als solches zum zentralen Thema. Mit der Ausstellung "wie es ist" präsentiert die Kunsthalle Düsseldorf vier außergewöhnliche Künstler.

Schublade adieu

<p>Die Milchtüte als Aussichtsplattform in Milan Kuncs "Recycled World" von 2001. Repro Kunsthalle</p>

In einer Zeit des Punk und der Anti-Atomkraft-Bewegung trafen sie aufeinander. Vier Studenten an der Düsseldorfer Kunstakademie in den 1970er und frühen 1980er Jahren. Sie folgten nicht der breiten Masse der "Jungen Wilden". Sie malten gegenständlich.

Die Bedeutung und Wirkung der Motive steht bei ihnen im Mittelpunkt, kunsthistorische Bezüge flechten sie mit ein. Dabei entwickelte jeder der vier - Holger Bunk, Milan Kunc, Silke Leverkühne und Andreas Schulze - seinen ganz eigenen Stil.

Die Perspektiven können nicht passen

Auf der Suche nach seinem Selbst ist Holger Bunk. Teilweise er selbst, teilweise fremde Personen befinden sich in Räumen mit seltsam verzerrten Perspektiven. Was auf den ersten Blick stimmig aussieht, kann einfach nicht passen - Wände sind gerade und verlaufen doch nicht parallel. Darin zeigt sich die Unsicherheit Bunks.

Andreas Schulze dagegen malt keine Menschen. Auf grundsätzlich riesengroßen, zweigeteilten Bildern - "ich male für Museen, nicht für Wohnzimmer" - stellt er bunte Haushaltsgegenstände dar. Dabei fällt auf, wie diese zusammengestellt sind: ein Staubsauger neben einer Wurst, und das seltsam deplatziert in einem Hinterhof. Dabei scheinen die Bilder ein Stück in den Realraum hineinzuragen.

Kunc mit gruseligen Szenen

Wo Silke Leverkühne eher ruhige Szenen malt und dadurch auf ihre Maltechnik mit Eitempera auf grober Jute aufmerksam macht, fällt Milan Kunc mit teilweise gruseligen Szenen auf. "Ostpop" nennt er seine Bilder. Totenköpfe tauchen genau so auf wie endlose Reihen von mit Pommes garnierten Rinderschädeln.

Mit "Der Avantgardist" von 1982/83 bringt er die Werke der vier Künstler auf den Punkt: Ein muskulöser Römer versucht, sich in eine kleine Schublade zu quetschen, im Hintergrund lungern im Lichtpegel einer Laterne dunkle Gestalten herum: Kunstkritiker. Doch so sehr er es auch versucht - ein Avantgardist passt in keine Schublade.

Kunsthalle Düsseldorf: "wie es ist", Grabbeplatz 4, bis 30.9., di-sa 12-19 Uhr, so 11-18 Uhr. Katalog inkl. Interviews 19,90 Euro.

 

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