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Sehnsucht nach reiner Liebe

DORTMUND Prokofjews "Romeo und Julia" ist in diesem Jahr an deutschen Bühnen eines der meist getanzten Ballette. Der Dortmunder Ballettchef Xin Peng Wang zeigt die Liebestragödie als neoklassisches Sehnsuchtsstück, das die reine Liebe ins Zentrum rückt.

Sehnsucht nach reiner Liebe

<p>Adrian Robos und Monica Fotescu-Uta zeigen als Romeo und Julia tiefe Liebe. </p>

 

Tybalt, Mercutio und Pater Lorenzo werden als Figuren nur angedeutet im Corps de Ballett, das wie Romeo und Julia puristisch, mit hautfarbenen Trikots, gekleidet ist. Auch den Ball, Kampf-, Balkonszene sowie Karnevalstreiben stellt Wang mit modernem Ausdruckstanz stilisiert dar. Die Nähe zwischen den Liebenden symbolisieren die Kostüme ebenso vortrefflich wie die nackte, große, reine, Hass und Feindschaft überwindende Liebe.

Eine neue Figur führt der Ballettchef ein: Das Gesetz (großartig und beschwörend getanzt von Ivica Novakovic) bestimmt die Gefühle. Wie ein Magier zieht es die Fäden und urteilt über Leben und Tod und über die Liebe. Ein altes Paar (Michele Haugen und Mark Hoskins im Rollstuhl) symbolisiert die vertraute, gewachsene Liebe.

 Grenzen abstecken

Bestes, ausdrucksstarkes Tanz-Theater ist das, was Wang da auf die Bühne gebracht hat und das Premierenpublikum im Opernhaus mit minutenlangen Ovationen frenetisch gefeiert hat. - Ein vortreffliches Beispiel, wie man dieses große Handlungsballett auch ohne Renaissance-Kulisse und Kostüme auf den Kern reduziert, spannend erzählen kann. Grenzen - zwischen Männern und Frauen und zwischen den verfeindeten Familien - ziehen Wang und Bühnenbildner Jérome Kaplan mit einer gradlinigen Choreografie, mit nur drei Bühnenversatzstücken und wenigen Symbolen wie dem Netz, in dem Julia verstrickt ist.

Mit vielen wechselnden Tanztempi setzt die mit höchster Präzision agierende Compagnie, zu deren 18 Tänzerinnen und Tänzern auch einige Eleven gehören, Prokofjews rhythmisch geprägte Musik um und zeigt viele Stadien der Liebe von Julias zartem Liebesgeflüster zu Beginn bis zum Ausbruch großer Gefühle. Die mit vielen originellen Schrittfolgen, Hebungen und Posen getanzte Sehnsucht gipfelt in zwei ergreifenden Liebes-Pas-de-deuxs von Romeo und Julia, in denen die Körper zu verschmelzen scheinen. Der Kraft, mit der sich Primaballerina Monica Fotescu-Uta der Liebe hingibt, kann man sich kaum entziehen. Adrian Robos ist im Ausdruck ein sanfter, weicher Romeo, aber als Tänzer ein kraftvoller Liebhaber, der sich mit seiner Julia am Schluss in den Bühnenversatzstücken wie in einem Mausoleum in den Tod bettet.

Feilen am Klang

So modernistisch wie sie aus dem Graben klang, ist die Musik von Prokofjew allerdings nicht. Besonders in den kammermusikalisch offenen Szenen gibt es für die Dortmunder Philharmoniker unter Ralf Lange noch eine Menge zu feilen.

 

 

                                

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