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„Eleanor und Colette“ im Kino

Sie kämpfen für die Entmündigten

Dortmund Am Donnerstag kommt „Eleanor und Colette“ ins Kino, mit Helena Bonham Carter und Hilary Swank, die für die Rechte von Patienten streiten und Freundinnen werden. Swank und Carter sind das Beste an diesem Film, meint unser Kinokritiker.

Sie kämpfen für die Entmündigten

Eleanor (Helena Bonham Carter, l.) und ihre Anwältin Colette (Hilary Swank) betreten den Gerichtssaal. Foto: Warner Bros

Die Szene lässt keinen kalt: Eine Frau brüllt und kämpft wie eine Löwin, drei Männer haben Mühe, sie zu bändigen. „Sie geben mir zuviel“, keucht die Frau, bevor ihr jemand eine Spritze setzt. Zuckend liegt sie dann in der kahlen Zelle einer Nervenklinik.

Helena Bonham Carter spielt, als ginge es um ihr Leben in der Eröffnung von „Eleanor und Colette“, dem neuen Film von Bille August, der die wahre Geschichte der Psychiatrie-Patientin Eleanor (Bonham Carter) und ihrer Anwältin Colette (Hilary Swank) erzählt.

Ein Kampf wie bei David gegen Goliath

In den USA strengten beide einen Musterprozess an, der Ärzten untersagte, Patienten nach Gutdünken unter Medikamente zu setzen. David gegen Goliath. Die „Irre“ und die Juristin nehmen es mit Ärzten und der Pharma-Lobby auf.

Ein Gerichtsfilm auf den Spuren von „Erin Brockovich“, eine Passionsgeschichte wie Formans „Kuckucksnest“, eine Ballade von Freundschaft und Solidarität. Was als Drama beginnt, mausert sich zum Herzenswärmer und Wohlfühl-Stoff, der am Ende einen Schlenker ins Melodramatische hinlegt und auf die Tränendrüse drückt.

Nach einfachen Regeln

Was Drehbuch und Regie mit dem Gefühlshaushalt des Zuschauers vorhaben, ist leicht zu durchschauen. Die Sympathielenkung folgt einfachen Regeln: Wir stehen auf Seiten des Opfers, und das ist Bonham Carters Eleanor.

Das Bild der Nervenklinik gerät dabei in gefährliche Nähe zur Kolportage: Halb Verwahranstalt, halb Geisterbahn, Patienten, die im „Zombie-Walk“ über die Flure wackeln. Eleanor, die ungehört um Hilfe schreit. Dick aufgetragen.

Hauptdarsteller retten den Film

Helena Bonham Carter, die oft schräge Vögel und Exzentriker verkörpert, liefert eine tadellose Vorstellung als tapferes Stehaufweibchen. In der Körpersprache ist Eleanor etwas trampelig, vom Wesen her hat sie den Enthusiasmus eines Kindes und eine mütterlich fürsorgliche Ader.

Gegen sie verblassen andere Figuren zur Skizze. Nur Swanks Colette gewinnt etwas Kontur, wenn deren Freund und ihre Leidenschaft für den Beruf Raum bekommen.

Swank und mehr noch Bonham Carter veredeln und retten durch ihr Spiel eine Leidens-Operette, die (trotz realer Geschehnisse) an vielen Stellen eben doch nach Klischee und Kintopp riecht.

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