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Steh auf und wandle ...

Neuer Kinofilm "Lourdes"

Die Tische des Speisesaals sind fein gedeckt, aber nicht an jedem Platz steht ein Stuhl. Aus dem Off erklingt Schuberts „Ave Maria“. In dieser feierlichen Stimmung kommen die ersten Pilger in den Raum. Einer fährt mit seinem elektrischen Rollstuhl den Parcours der Essmöbel ab, als nehme er gerade an einem Hindernisrennen teil, bis er zielsicher an seinem Tisch einparkt. Jessica Hausner, Regisseurin und Drehbuchautorin von „Lourdes“, hat noch einige solcher augenzwinkernden Einstellungen in petto.

von Von Klaus-Peter Heß

, 06.04.2010
Steh auf und wandle ...

Viele Hoffnungen sind mit einer Lourdes-Fahrt verknüpft.

Es ist der Blick einer Unparteiischen, einer Skeptikerin, aber auch der einer Bewunderin der Wundergläubigen. Es ist keine leichte Aufgabe, den kranken und todkranken Menschen, die den Wallfahrtsort aufsuchen, gerecht zu werden. Hausner wählt für ihren Spielfilm die vorsichtige Typisierung, zeigt vereinsamte Seelen, tief Gläubige, inständig Hoffende. Die Protagonistin ist ausgerechnet eine Frau, die weder glaubt noch hofft.

Kulturfahrten seien ihr lieber, sagt die an Multipler Sklerose erkrankte Christine, die eine wunderbare Sylvie Testud mit dem gesamten Spektrum an Blicken zwischen Misstrauen und Erfüllung ausstattet. Sie ist es schließlich, die aufsteht und wandelt ... Die Einstellungen der dokumentarisch erzählten Geschichte sind streng komponiert, die Vertonung ist karg und unspektakulär das Spektakuläre. „Ich habe mich bemüht, das Wunder so unwunderlich wie möglich zu erzählen“, sagt Hausner. Und lässt genügend Gedankenspielraum für die Unparteiischen, die Skeptiker, die Gläubigen und für die bloßen Bewunderer der Wunder.