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T-Rex hat im Dino-Film nichts zu suchen

„Jurassic World II“ im Realitäts-Check

Zugegeben, das Interesse an Dinosauriern haben die bislang fünf Hollywood-Streifen der „Jurassic Park“-Serie seit 1993 gründlich geweckt und auch nicht wieder einschlafen lassen. Jeder kennt seitdem die Velociraptoren, die schon so manchen Nebendarsteller gefressen haben. Doch wie realistisch sind diese längst ausgestorbenen Tiere im neuen Streifen „JurassicWorld II“ und seinen Vorgängern dargestellt? Hier einige Fragen und Antworten zum Thema.

Dortmund

von Bettina Jäger

, 11.06.2018
T-Rex hat im Dino-Film nichts zu suchen

Den T-Rex lieben die Fans – besonders, wenn er andere Dinos wie den Carnotaurus besiegt. © Universal

Hat ein Velociraptor wirklich so ausgesehen wie in den Filmen?

Keineswegs, sagt der promovierte Paläontologe Jan Ilger vom Naturkundemuseum Dortmund. „Wenn ein echter Velociraptor seine Filmversion treffen würde, würden sich die beiden nicht erkennen.“ Die Tiere hatten in Wirklichkeit eine Hüfthöhe von nur 50 Zentimetern, eine spitze Schnauze und einen unbeweglichen, weit abstehenden Schwanz. Sie werden oft mit heutigen Truthähnen verglichen, denn sie trugen Federn.

Das weiß man allerdings erst, seit 1996 versteinerte Abdrücke von Raubsauriern in der chinesischen Provinz Liaoning gefunden wurden. Sie belegen die Verwandtschaft der Dinos mit den heutigen Vögeln. Die Macher der ersten beiden Filme „Jurassic Park“ (1993) und „Vergessene Welt“ (1997) hätten das noch nicht einarbeiten können.

Den Namen Velociraptor wählte Michael Crichton als Autor der Buchvorlage „Dino Park“ (1991 auf Deutsch erschienen) vermutlich aus, weil „Raptor“ im Englischen „Raubvogel“ heißt und damit gefährlich klingt.

Was für Viecher toben denn nun eigentlich als Raptoren durch den Film?

Am ehesten sind es Saurier der Sorte Deinonychus – Geschöpfe der Kreidezeit, von denen sich ein Skelett im Depot des Dortmunder Naturkundemuseum befindet. Der Name kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Schreckliche Klaue“.

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft waren es agile Jäger von einem Meter Höhe und drei Metern Länge sowie einer Sichelkralle an jedem Fuß, mit der sie wohl ihre Gegner aufgeschlitzt haben. Vermutlich waren sie ebenfalls komplett befiedert, wie ein Modell aus dem Naturhistorischen Museum Wien zeigt – und das sieht aus wie ein Riesenhuhn.

Ist denn wenigstens der T-Rex richtig dargestellt?

„Er wirkt in den Filmen sehr groß“, sagt Jan Ilger. „Diese Filme haben die Tendenz, die Tiere größer zu machen.“ In Wirklichkeit waren es jedenfalls bis zu sechs Meter. In diesem Fall ist die schuppige Echsenhaut korrekt, weil man Hautabdrücke gefunden hat. Nur die Jungtiere trugen wohl eine Art Vogelflaum gegen den Kälteverlust.

Aber: Der Tyrannosaurus Rex lebte in der Kreidezeit vor rund 70 Millionen Jahren, nicht im Jura vor 201 bis 145 Millionen Jahren. Er hat deshalb in einer „Jurassic World“ genau genommen nichts zu suchen.

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Ein netter kleiner Dickkopf spielt in „Jurassic World II“ eine große Rolle. Der Stygimoloch befreit die Helden aus einem Verlies.

Dieser Dino aus der Kreidezeit hatte ein verdicktes Schädeldach, wahrscheinlich hat er seine Gegner mit dem Kopf gerammt. Der Name setzt sich aus dem Unterwelt-Fluss Styx aus der griechischen Sagenwelt und dem Moloch, einem Dämon der hebräischen Mythologie, zusammen. Im Film ist der Jungsaurier aber so niedlich und lustig, dass es ihn schon in einer Lego-Version gibt.

Lässt sich Dino-DNA wirklich aus Bernstein gewinnen?

In einem Artikel mit dem schönen Titel „Jurassic Quark“ hat der Journalist Christian Holst in der Zeitschrift „TV total“ ausgeführt, dass DNA-Moleküle instabil sind und selbst bei optimaler Kühlung nur eine Halbwertzeit von 158.000 Jahren erreichen. Das haben Forscher der Universität Kopenhagen 2012 nachgewiesen.

In den Filmen wird Dino-DNA mit der von Fröschen oder Schlangen kombiniert. Würde das funktionieren?

Darüber kann Ilger nur lachen. „Das ist pure Fantasie. Erbsubstanz ist nicht beliebig kombinierbar“, antwortet er.

Was hält denn nun ein Wissenschaftler von den Filmen?

„Ich finde die Filme eher positiv und schaue sie selbst ganz gerne an“, sagt Jan Ilger. „Erstaunlich, dass dadurch selbst kleine Kinder die Namen von Sauriern stolperfrei aussprechen können.“ Es sei Aufgabe der Museen, dieses Interesse zu nutzen und korrekt über die Urzeit zu informieren.

Deshalb arbeitet Ilger intensiv an der Neugestaltung des derzeit geschlossenen Dortmunder Naturkundemuseums. Wenn es im September 2019 wieder eröffnet, wird hier ein Iguanodon auf die Gäste warten – die Replik eines riesigen, aber harmlosen Pflanzenfresser-Dinos.

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