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Tagebuch eines Taugenichts

BOCHUM Vögel, die aus dem Nest fallen, rühren uns an. Das gleiche gilt für Menschen, die aus der Gesellschaft fallen. Die keine Lust haben auf Kohle und Konsum. Die nichts besitzen und nichts erkämpfen wollen. So einer, "Genannt Gospodin", ist der Titelheld eines neuen Stück von Philipp Löhle.

Tagebuch eines Taugenichts

Nackt, wie der Regisseur ihn schuf: Gospodin (Michael Lippold) mit seinen Freunden (Jele Brückner/Karsten Dahlem).

Zur Uraufführung bat das Schauspielhaus Bochum am Sonntag ins Theater unter Tage. Ausstatter Sebastian Kloos hat aus dem Keller eine Wohnhöhle gemacht - mit Tendenz zum Selbstgehäkelten. Auf Sperrmüllsesseln oder Stoffhockern, unter Troddellampen und an Tischchen mit Knabbergebäck machen es sich die 70 Zuschauer gemütlich. Schau an: So nett kann´s sein, wenn einer gar nichts hat.

Anspruchslosigkeit schützt vor Schaden nicht

Leider schützt Anspruchslosigkeit vor Schaden nicht. Der gutherzige Gospodin (russisch für "Herr") verliert sein Lama an Greenpeace, die Freundin verlässt ihn, er selbst verleiht den Fernseher auf Nimmerwiedersehen. Als er dann noch von Freund Hajo eine Tasche voller Geld bekommt, gerät der arme Kerl ins Visier der Polizei.

Skurrile Gesichte um netten Naivling

Eine so süße wie skurrile Geschichte ist das, die der junge Regisseur Kristo Sagor charmant in Szene gesetzt hat. Gospodin - verblüffend sympathisch gespielt von Michael Lippold - schaut unter seiner Alpakamütze freundlich in die Welt, sucht die neue Lebensform, für die Geld nicht nötig ist. Ein Oblomow, der sich gerade so viel Marx vom Leben wünscht, das es ihm gut geht. Ein netter Naivling, ein liebenswerter Taugenichts und eine menschgewordene Provokation. Einer, der anders, nicht aggressiv und doch schwer auszuhalten ist.

Zum Schluss fallen Vorhänge und Klamotten

Agnes Riegl, Karsten Dahlem und Jele Brückner spielen seine Freunde. Gemeinsam geben die vier jungen Schauspieler dem Abend eine entspannte Atmosphäre und, als die Vorhänge fallen und der Held nackt dasteht, ein zartbitteres Ende. Doch bei allem pocht sanft eine Frage im Hintergrund: Hat Gospodin nicht ein bisschen Recht? Und wären wir bereit, aus dieser Erkenntnis heraus unser Leben zu ändern?

Termine: 24.10./7./24./26/30.11. Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.

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