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"Takva": Türkische Bewerbung um den Oscar

Kollision der Welten in Istanbul: Ein kleiner frommer Mann steigt zum Buchhalter muslimischer Ordensbrüder auf. Hineingeworfen in die Sphäre des Geldes und der Großkopfeten, zerbricht der Mann am Widerspruch zwischen tradierter Moral und knallhartem Geschäftsgebaren. Das ist der Plot von Özer Kiziltans "Takva - Gottesfurcht", mit dem sich die Türkei um den Oscar bewirbt.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 10.12.2007
"Takva": Türkische Bewerbung um den Oscar

Schöne und leicht bekleidete Frauen trifft Muharrem (Erkan Can) nur in seinen Träumen.

Der Film ist leicht zu erkennen als Parabel über Welt und Glauben, Moderne und Tradition. Ein Versuch, das Spannungsverhältnis in der Türkei auf eine Person zu projizieren.

Glaubwürdiger Hauptdarsteller

Kiziltans Film transportiert vieles über Bilder und Milieus. Der fromme Muslim Muharrem (glaubwürdig als schlichtes Naturell: Erkan Can) wohnt in Süleymaniye, einem der ältesten Viertel Istanbuls. Er lebt alleine, arbeitet für einen Sackhändler, hält die Gebete ein und besucht das Kloster einer Derwisch-Sekte. Der Wunsch seines Scheichs wirft den Frommen aus der Bahn. Als Geldeintreiber soll er Mieterhöhungen durchpauken. Als er armen Teufeln die Miete stundet, wird er gemaßregelt. Durch ein Missgeschick hat er veruntreutes Geld in Händen. Schuldgefühl wächst sich zum Nervenkollaps aus.

Gelungene Skizze eines Landes

Manchmal ächzt die Figur unter der Schraubzwinge des Drehbuchs. Und weil er strikt auf Muharrem fokussiert, mogelt sich der Film um Festlegungen herum: Sucht der Orden nicht bloß einen Strohmann? Steht der Scheich für Doppelmoral? Es liegt im Auge des Betrachters. Gelungene Skizze eines Landes zwischen Religion und Säkularismus.