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"Theater des Fragmentierens"

Ganz am Ende lässt Claus Peymann es heraus: „Ich schaue ungern zurück.“

von Von Ronny von Wangenheim

, 03.10.2007
"Theater des Fragmentierens"

<p>Intendant Elmar Goerden (links) begrüßte Claus Peymann auf der Bühne der Kammerspiele zum Gespräch. Kaufmann</p>

Wer gestern bei der Matinee im Schauspielhaus in Erinnerungen an sieben goldene Theaterjahre schwelgen wollte, wurde enttäuscht.

Knapp zwei Stunden erzählte der Theatermacher und ließ sich dabei auch nicht groß von Gesprächspartner Intendant Elmar Goerden aufhalten.

"Nett, sympathisch" nennt er seine Rückkehr nach Bochum für die RuhrTriennale, die sein Werk in diesem Jahr ausführlich vorstellt.

Berührend sei es, dass doch etwas bleibe, "wo wir sonst nur für den Augenblick arbeiten".

Und so erzählt er natürlich von den glücklichen Bochumer Jahren (1979-86), als die Ansprüche hoch und Kompromisse nicht gefragt waren, als so viele Uraufführungen wie sonst nirgends in Deutschland gespielt wurden und das Publikum das alles mitmachte.

Aber lieber spricht der 70-Jährige über das, was ihn in diesen Tagen umtreibt. Bewusst will er eine Gegenposition in der deutschen Theaterlandschaft einnehmen, kritisiert er "die Schnellfressanlage des Jugendwahns", will er kein "Theater des Fragmentierens", werden bei ihm "Texte nicht runter gerattert, sondern erlebt".

Er weiß, dass die Zukunft anderen gehört, dass Regisseure wie Stein, Zadek oder er selbst "im Grunde gar nicht mehr da sind". Doch: "Wenn ich schlecht gelaunt bin, sage ich, dass wir die eigentliche Avantgarde sind".

So lästerlich, wie er manchmal spricht, ist von Altersweisheit so wenig zu spüren wie von Altersmüdigkeit. Demnächst inszeniert er "Richard III.", 2008 geht es mit "Mutter Courage" nach Teheran und Damaskus.

Und dann will Peymann noch einmal den kompletten Faust inszenieren. Er lacht: "Ein Stück, dass man auch als alter Mann machen kann".