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Trotzkopfs Reise durch die Trümmerlandschaft

Im Kino: "Lore"

"Kommt ihr jetzt ins Gefängnis", fragt Lore ihre Mutter. "Nein", da kommen nur Verbrecher hin", beschwichtigt die Tochter (Saskia Rosendahl). Knapper als in diesem Dialog lässt sich der ideologische Irrsinn in einer Nazi-Familie bei Kriegsende kaum in Worte fassen.

von Von Klaus-Peter Heß

, 06.11.2012
Trotzkopfs Reise durch die Trümmerlandschaft

Lore (Saskia Rosendahl) muss sich mit ihren vier Geschwistern nach Kriegsende allein durchschlagen.

"Kommt ihr jetzt ins Gefängnis", fragt Lore ihre Mutter. "Nein", da kommen nur Verbrecher hin", beschwichtigt die Tochter (Saskia Rosendahl). Knapper als in diesem Dialog lässt sich der ideologische Irrsinn in einer Nazi-Familie bei Kriegsende kaum in Worte fassen. Das Drama "Lore" von der australischen Regisseurin Cate Shortland ("Somersault"), beginnt mit dem Einzug der Amerikaner in Bayern. Statt Endsieg die verheerende Niederlage. Entlarvende Dokumente, Hitler-Porträts, NS-Utensilien gehen in Flammen auf.

Reise durch Kriegsversehrte Gebiete Was folgt, ist eine Reise durch kriegsversehrte Gebiete und seelische Trümmerlandschaften. Lore, 15-jährige Tochter eines führenden SS-Mannes und Kriegsverbrechers, will sich nach der Verhaftung ihrer Eltern nach Norddeutschland auf eine Hallig durchschlagen. Dort wohnt die Oma. An Lores Seite die vier jüngeren Geschwister, in ihrem Kopf die lang gehegten Gedanken von Herrenrasse und Untermenschen, von Führer, Volk und Vaterland.

"Volksgemeinschaft" Unterwegs erste Ernüchterungen: Die viel beschworene "Volksgemeinschaft" entpuppt sich als Ansammlung egoistischer Individuen. Jedes ist sich selbst der nächste. Ein geiler Kerl will Lores pure Not auf widerliche Weise ausnutzen. Ausgerechnet ein Jude (Kai Malina)wird ihr zum Retter in der Not.

Bilder sprechen für sich

Viel gesprochen wird nicht, die Bilder sprechen für sich. Der Film verschont nicht mit realistischen Notstandsbildern: Insekten krabbeln auf Leichen, ein Mann wird vom Kind erschlagen, ein Kind von einer Patrouille erschossen, Lore und ihre Geschwister sind von Ausschlägen, Krätze, Kälte gezeichnet.

Bewundernswert ist die Leistung der 18-jährigen Saskia Rosendahl: Ihre Blicke sind es, die Trotz, Entrüstung, Verwirrung, Verstörung, Staunen, Entsetzen, Unsicherheit und Reife vermitteln. Und ab und zu Herzenswärme. Shortland bleibt auf Augenhöhe mit der Figur. Herausragend.