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Türkische Kopftuch-Schönheit

WUPPERTAL Sie ist nackt. In goldenem Glanz steht sie einfach da, scheint abzuwarten. Nur ein Kopftuch bedeckt ihren Kopf: "Turkish Delight", übersetzt "türkischer Honig", heißt die Bronzeplastik. Zu sehen ist sie auf der kommenden Ausstellung des Provokateur-Künstlers Olaf Metzel.

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Die Bronzeplastik "Turkish Delight" in voller Größe steht in der Haupthalle der Metzel-Ausstellung.

Olaf Metzel vor seinem Christoph-Daum-Kiosk.

Zuerst weiß man nicht so recht, was man davon halten soll. Eine nackte Frau, nur mit einem türkisch gebundenem Kopftuch bedeckt. Doch Metzel hat einen ganz einfachen Grund für diese Darstellung: „Ich finde türkische Frauen wunderschön“, erklärt Olaf Metzel, „so ein Kopftuch ist zudem ein Stück Kultur, dem man sich widmen sollte.“ 1952 in Berlin geboren, erlebte er mit, wie die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen.

Er ist früh mit der türkischen Kultur in Kontakt gekommen, findet sie "ganz toll". Zudem sind nackte Frauen ein klassisches Thema der Kunstgeschichte. Auch diejenigen, die ein Kopftuch tragen. Wenn man sich etwa Albrecht Dürers „Das Frauenbad“ von 1496, oder „Das türkische Bad“ von Jean Auguste-Dominique Ingres 1862 anschaut, wird man auch dort die ein oder andere Kopftuch-Schönheit finden.

Schwarzes Betonrelief als Anklage

In seiner Ausstellung „no problem“ im Von der Heydt-Museum beleuchtet Olaf Metzel das Thema Migration auch aus weiteren, ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Sportlich etwa ist der Kiosk, mit dem Metzel die damalige Arbeit des Fußballtrainers Christoph Daum mit der türkischen Mannschaft „Besiktas Istanbul“ dokumentierte. Ausgestellt auf der 4. Biennale, ergab dieser Kiosk viele bunte Artikel in türkischen Zeitungen - die nun wiederum ihren Platz in den Kiosk-Fenstern gefunden haben.

Direkt anklagend dagegen ist Metzels Werk „Türkenwohnung Abstand 12000,- DM VB“. Eine türkische Familie, nach Vermieterwechsel aus ihrer Wohnung rausgeworfen, ließ die Einrichtung zurück. Olaf Metzel annoncierte die Wohnung mit dem späteren Werktitel in verschiedenen Zeitungen, bekam daraufhin eindeutig ausländerfeindliche Anrufe. Er zerstörte die Wohnung mit einer Flex, filmte diesen Vorgang und modulierte ein schwarzes Betonrelief mit Hakenkreuz mitten in das menschenleere Zimmer.

Metzel als umstrittener Künstler

Olaf Metzel ist ein bedeutender, aber auch einer der umstrittensten Künstler der Gegenwart. Auch wenn er selbst dazu sagt: „Von Provokation halte ich nichts. Ich mache nur Kunst.“  In der Ausstellung "no problem" greift er außer Integration noch weitere Themen auf: Modellierte Pissoirs, 400 Kilogramm-Torpedos oder vier Galgen in eindeutig tödlicher Höhe rücken Themen in den Vordergrund, die man ansonsten gerne übersieht.

Von der Heydt-Museum: „Olaf Metzel - no problem“, Turmhof 8, Wuppertal, 12.8. - 25.11., di-so 11-18, do 11-20 Uhr, Katalog 20 Euro.

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Die Bronzeplastik "Turkish Delight" in voller Größe steht in der Haupthalle der Metzel-Ausstellung.

Olaf Metzel vor seinem Christoph-Daum-Kiosk.

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