Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Unverschämt komisch

OBERHAUSEN „Was darf Satire? Alles.“ Das hat Kurt Tucholsky gesagt – und Manfred Deix hat es wörtlich genommen.

von Von Bettina Jäger

, 07.03.2008

238 tolldreiste Zeichnung des bekannten österreichischen Karikaturisten präsentiert die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen in ihrer neuen Ausstellung „Deix in the City“. Da hängen sie nun, die fiesen Stiernacken und die fetten Matronen, die Bikinimaus mit den gigantischen Brüsten, die Mutter mit der „Goldenen Fortpflanzungsmedaille“ oder das Kind, das seine Eltern bei der Polizei denunziert – als Raucher! Oder der Greis, den die Verwandten umringen: „Opa, hilft Du uns beim Erben,/Helfen wir Dir gern beim Sterben.“ Alles ist bitter, ätzend, unverschämt komisch. Keine Pointe, die nicht sitzt. Oder dort trifft, wo´s wehtut.

Die Gesellschaft vorm Zerrspiegel

Kein Eisen ist so heiß, dass Deix es nicht anpacken würde. Oder er lässt seine Figuren anpacken. Meistens Genitalien. Deix hält unserer Gesellschaft einen Zerrspiegel vor, in dem wir die Wahrheit sehen. Aushalten muss man die Zeichnungen allerdings auch. Über sexuelle Belästigung im Büro, wo ein dürres Männchen von einem gewaltigen Weib bedrängt wird, lässt sich leicht lachen. Bei Geistlichen, die sichtlich Spaß beim Bruch des Zölibates haben, schluckt man schon. Und bei den Zeichnungen zum Thema Kindesmissbrauch stockt einem der Atem, so schwarz und bös´ sind diese Scherze. Genau diesen Raum empfiehlt Kurator Peter Pachnicke denn auch erst ab 14 Jahren in Begleitung Erwachsener. Nebenbei entpuppt sich Deix in Oberhausen übrigens als begnadeter Kolorist. Die neue Museumsleiterin Christine Vogt begrüßte ihn gar als „Weltstar“.

Und was für einer ist das nun, der Deix? Freundlich, höflich, gut gelaunt beantwortete er am Freitag alle Fragen – auch die nach seinen Tabus. „Ich habe eine innere Uhr“, sagt er. „Die sagt mir: Das geht noch oder das ist schon nach Zwölf.“ Nie würde er zum Beispiel einer Zeichnung zu dem traurigen Thema machen, dass Kabarettist Ottfried Fischer an Parkinson erkrankt sei.

Lesen Sie jetzt