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"Vielleicht lieber morgen" zeigt Leichtigkeit der Pubertät

Im Kino

Das tut gut: Ein Film, der Pubertät nicht als Vollklamotte à la "American Pie" begreift. Sondern mit Ernsthaftigkeit und einem Schuss Melancholie die schwierige Phase beleuchtet, in der aus Kindern Leute werden.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 04.11.2012
"Vielleicht lieber morgen" zeigt Leichtigkeit der Pubertät

High-School-Neuling Charlie (Logan Lerman) hat ein Auge auf Sam (Emma Watson) geworfen.

Ein leichtes Zwinkern ist auch dabei, wenn Regisseur Stephen Chbosky in "Vielleicht lieber morgen" von den Nöten des jungen Charlie erzählt. Es ist das verschwörerische Blinzeln stiller Kumpanei zwischen Filmemacher und Kinogänger, das den Film auch für ein älteres Publikum rührend und vergnüglich macht: Weißt Du noch, wie es war, als die Welt groß und aufregend vor uns lag?  Als wir in der Rockmusik den Soundtrack für den perfekten Moment unseres Lebens suchten? Als die Liebe nur eines unserer vielen Probleme war?

Kindheitstrauma Vielleicht geht Chbosky den Stoff (Genre-Fach: "Coming-of-Age") deshalb so sensibel an, weil er auf einem eigenen Roman beruht. Da wäre also Charlie (Logan Lerman), 16 Jahre, still und schüchtern. Ein Kindheitstrauma und der Selbstmord eines Freundes haben ihn geprägt. Unter den Fittichen von Patrick (bald ein Poster-Star: Ezra Miller) blüht Charlie auf. Patrick ist ein exaltierter Schlau-Schnacker, eine Stimmungskanone. Und heimlich schwul.

Erster Rausch, erster Kuss Über Patrick und dessen Stiefschwester Sam (Emma "Hermine" Watson) findet Charlie in eine Clique. Endlich unter Freunden. Sie büffeln fürs College, feiern Partys, sie flirten und machen Erfahrungen, die der Bücherwurm Charlie in seinen Schmökern nicht findet. Erster Rausch, erster Kuss, erste Freundin. Leider die falsche, Charlie ist doch eigentlich in Sam verknallt.

Herzklopfen Selbstfindung, Herzklopfen, Gefühlsverwirrung. Freundschaft, Krise, Schmerz, Versöhnung. So fühlt sich Jungsein an. Ganz wunderbar, wie der Film das flüchtige Fluidum von Jugend einfängt. Grandios die Szene, wo die Kids zu einem warmen Sound-Kokon und dann zu David Bowies "Heroes" im Auto die Leichtigkeit des Seins schmecken. "Ich fühle mich unendlich!", jubelt Charlie. Ach, wenn es doch so bliebe, seufzen alte Kinohasen.