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Andrea Camilleri: „Eine Stimme in der Nacht“

Buchkritik

Kommissar Montalbano hört in seinem 20. Fall auf sein Gewissen. Dabei gerät er selbst unter Druck, weil er ungewöhnliche Ermittlungsmethoden anwendet.

03.05.2018
Andrea Camilleri: „Eine Stimme in der Nacht“

Geschrieben hat Andrea Camilleri den Krimi „Eine Stimme in der Nacht“ bereits vor sechs Jahren, aber der Lübbe-Verlag hat ihn erst jetzt als 20. Montalbano-Krimi veröffentlicht – nach dem Roman „Der ehrliche Dieb“, den der italienische Bestseller-Autor danach geschrieben hat.

Deshalb könnten die Leser manchmal wegen der Beziehungs-Streitereien zwischen Kommissar Montalbano und Livia oder mehr oder weniger ausgeprägten Alterskrisen des Ermittlers ins Grübeln kommen, erklärt der 92 Jahre alte Autor im Nachwort.

Kluge verlegerische Entscheidung

Dennoch: Die verlegerische Entscheidung ist klug, denn der 20. Montalbano-Krimi ist einer der besten der Reihe: spannend und psychologisch raffiniert. Und der sizilianische Ermittler geht ungewöhnliche Wege, um Mörder in die Falle zu locken, ruft Verdächtige sogar mit verstellter Stimme an, um sie unter Druck zu setzen und zu erpressen.

Deshalb wird der Kommissar später auch beschuldigt, Unschuldige in den Selbstmord getrieben zu haben. Und die Auseinandersetzungen zwischen dem etwas schrulligen Montalbano und dem Polizeipräsidenten, der immer so viel Angst vor Skandalen hat, haben denselben Witz wie die zwischen Kommissar Brunetti und dem Vize-Questore in den Krimis von Donna Leon.

Ein cleverer Ermittler

Die Mafia ist auch in diesem Krimi präsent: Sie soll einen Supermarkt kontrollieren, in dem Geld verschwunden ist. Einen Tag später findet die Polizei den Geschäftsführer des Supermarkts erhängt.

Es gibt weitere Tote, und auch Montalbano wähnt sich in Gefahr. Andrea Camilleri löst alle Fälle klug auf, lässt seinen Kommissar diesmal wirklich intelligent ans Werk gehen und die verstrickten Fäden entwirren. So viel Spürsinn und kriminalistisches Geschick hatte dieser Kommissar in einigen seiner anderen Fälle nicht.

Montalbano in Bestform

Und so viel Witz in den Dialogen mit seinen Mitarbeitern und Livia auch nicht. Dieser Krimi bietet einen Montalbano in Bestform und einen Camilleri, der seinen Fans großes Lesevergnügen schenkt.

Andrea Camilleri: Eine Stimme in der Nacht, 272 S., Bastei Lübbe, 22 Euro, ISBN 978-3-7857-2612-9.