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Jean Cocteau: „Thomas der Schwindler“

Buchkritik

Der Manesse-Verlag, der sich auf Klassiker spezialisiert hat, hat einen Roman von 1923 neu übersetzen lassen: „Thomas der Schwindler“ von Jean Cocteau.

von Andreas Schröter

, 27.05.2019
Jean Cocteau: „Thomas der Schwindler“

Darin gibt sich ein 16-Jähriger als 19-jähriger Sohn eines Generals aus und verschafft sich auf diese Weise im Ersten Weltkrieg Ansehen und Zutritt in Kreise, die ihm sonst verschlossen wären.

Gemeinsam mit einer Prinzessin und deren Tochter reist er in einem Wagen-Konvoi an die Front nach Reims, um Verwundeten zu helfen. Sie begreifen den Krieg dabei jedoch eher als spannende Theater-Kulisse, die gut dazu taugt, ihnen die Langeweile zu vertreiben, denn als grausames Gemetzel.

Wirkt wie eine Handlungsskizze

Der kurze Roman ist in einem stakkatohaften Stil verfasst, der gelegentlich so wirkt, als habe der Autor lediglich eine Handlung skizzieren wollen, um sie später noch detaillierter auszuführen. Dazu angetan, dass dem Leser die Figuren näher kommen, ist dieser Erzählstil nicht.

Sehr erhellend ist ein Nachwort von Iris Radisch, das Jean Cocteau als Dandy beschreibt, der in seinem Leben keinen Tag einer geregelten Arbeit nachgegangen ist, sondern seine Zeit damit verbracht hat, die richtige Kleidung für den abendlichen Ball oder Theaterbesuch zusammenzustellen. Es gibt alte Romane, die dürfen getrost in der Mottenkiste bleiben.

Jean Cocteau: Thomas der Schwindler, 192 S., Manesse, 20 Euro, ISBN 978-3-7175-2420-5.