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Ein Lehrer-Leben gerät aus den Fugen

Festival „Stücke“

Beim Festival „Stücke“ in Mülheim war jetzt Thomas Melles „Zersetzung“ zu sehen. Ob die Inszenierung den Mülheimer Dramatikerpreis bekommt, entscheidet am Samstag die Jury.

Mülheim

von Britta Helmbold

, 01.06.2018
Ein Lehrer-Leben gerät aus den Fugen

Die Schauspieler Daniel Hoevels und Anja Schneider in einer Szene des Stücks „Versetzung“ von Thomas Melle. Foto: dpa

Eigentlich läuft es gut für Lehrer Ronald: Dank Medikamenten lebt er seit Jahren stabil mit seiner bipolaren Störung, seine Frau ist schwanger, und nun soll er zum Direktor befördert werden. Doch dann kippt das Szenario, Ronald hat einen Rückfall. Er verliert alles, endet als Penner in Paris.

Bipolare Störung

„Versetzung“ heißt das Stück von Thomas Melle, der bereits mit dem autobiografischen Roman „Die Welt im Rücken“ über seine manisch-depressive Erkrankung geschrieben hat.

Als Auftragswerk für das Deutsche Theater Berlin spielt der Autor die bipolare Störung nun am Beispiel eines Lehrers durch. Zu sehen war Brit Bartkowiaks Uraufführungsinszenierung am Donnerstag beim Mülheimer Dramatiker-Wettbewerb „Stücke“.

Dialog-Drama um ein „Opfer“

Mit einem ziemlich langen, pädagogischen Vortrag über das Schimpfwort „Opfer“ vor dem Vorhang Ronalds, gespielt von Daniel Hoevels, beginnt das Dialog-Drama. Ein Schüler steckt ihm später, dass „Opfer“ nicht mehr angesagt ist.

Johanna Pfau hat ein quadratisches Podest mit abwaschbarem blauen Boden, der an Schul-Turnmatten erinnert, auf die Bühne gebaut. Auf diesen Kampfplatz wird die Zersetzung von Ronalds Leben vorgeführt, tobt sich der Lehrer aus.

Ein etwas zäher Abend

Zunächst muss er vor Direktor und Kollegen erklären, wie die Erkrankung abläuft: Er missversteht sein Gegenüber, wird laut, spricht schon mal in Reimen und wird unter Umständen gewalttätig. Das wird dann durchgespielt.

Eine recht vorhersehbare Angelegenheit. Vermutlich ist deshalb der Abend etwas zäh geraten, zumal auch das Personal recht klischeehaft – unterstützt durch Carolin Schogs‘ Kostüme – gezeichnet ist.

Die Jury-Diskussion über die Vergabe des Mülheimer Dramatikerpreis wird am Samstag (2.6.) ab 20.45 Uhr hier als Livestream übertragen. Die Diskussion im Theater an der Ruhr in Mülheim ist öffentlich und kostenfrei zu besuchen.